Alle Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, können laut dem seit 1. Januar 2005 geltenden Zuwanderungsgesetz zu einem Integrationskurs verpflichtet werden. Die Unterrichtsinhalte sind alltagsorientiert, es geht um die persönliche Lebenssituation, um Familie, Einkaufen, Freizeit. Um Ämter und Behörden, Ausbildung und Beruf. Doch neben der eigentlichen Sprachvermittlung gibt es einen erzieherischen Subtext: den Migranten wird anhand von Sprachübungen nahegebracht, wie man sich in Deutschland zu verhalten hat. In Rollenspielen sind sie im Unterricht aufgefordert, deutsche Alltagssituationen zu imitieren: Jorge verwandelt sich in einen deutschen Polizisten, der Insaf, die gerade die rote Ampel überfahren hat, Punkte in Flensburg vergibt. Niara aus Brasilien diskutiert mit der arabischen Nachbarin über nächtliche Ruhestörung und schmutzige Treppenhäuser. An den Sprachkurs schließt sich ein Orientierungskurs an, der im Eiltempo eine Identifizierung mit Deutschland herstellen soll.

Zehn Monate lang hat Filmemacherin Britt Beyer die Teilnehmer eines Integrationskurses an einer Berliner Volkshochschule mit der Kamera begleitet und zeigt ohne störenden Kommentar, was die Kandidaten aus 15 verschiedenen Nationen in 600 Unterrichtsstunden Sprachkurs und 45 Stunden Orientierungskurs lernen sollen. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen der deutschen Sprache, vielmehr sollen auch Verhaltensweisen in Rollenspielen trainiert werden. Das ist manchmal unfreiwillig komisch, aber für alle Beteiligten mühevoll. "Werden Sie Deutscher" konfrontiert aber auch die Alltagserfahrungen der Kursteilnehmer mit dem Bild, das Deutschland in den Lehrmaterialien von sich selbst entwirft.

Foto: Marcus Lenz