Amerika, die eigentlich "unersetzliche Nation", wie es einst die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright formulierte, ächzt unter Problemen. Statt in den nahen Osten, schaut das Land im Moment auf die Heimatfront: Soziale Ungleichheit, Rassismus, schlechte Schulen sowie der Streit um die Gesundheitsreform lassen die Menschen aufbegehren - auch Filmemacher Michael Moore ("Bowling for Columbine", "Fahrenheit 9/11"), der sein Zuhause, die Vereinigten Staaten, bereits mehrfach an den Pranger stellte.

Michael Moore legt erneut den Finger in Amerikas Wunden

In seinem neuesten Werk "Where To Invade Next" besucht der 61-Jährige Europa, um dort die besten Ideen zu klauen und sie in die USA zu bringen. In Italien sitzt er beispielsweise mit einem jungen Paar am Esstisch, das ihn über bezahlte Elternzeit aufklärt, während Moore sprachlos lauscht. In Frankreich lernt er, dass gesundes Schulessen für Kinder bezahlbar ist und die Kleinen dieses tatsächlich mehr mögen als Burger, Fritten und Co.

So geht seine Tour weiter nach Slowenien, Skandinavien, Island und Portugal, wobei sich der Kritiker nur "die Blumen" und nicht "das Unkraut" herauspickt. Moore stellt somit nur die guten Seiten Europas ins Licht, hiesige Streitfragen und Probleme werden ausgeblendet - was teilweise so wirkt, als wäre er im "gelobten Land" angekommen.

Dies ist zwar unterhaltsam inszenierter Balsam für die europäische Seele, jedoch viel zu simpel und undifferenziert umgesetzt.