Die Auszeit vom Alltag tut Anna (Birgit Minichmayr) und Nick (Philipp Hochmair) nicht so gut wie erhofft.
Mit "Animals - Stadt Land Tier" wandelt Greg Zglinski auf den Spuren von David Lynch.

Animals – Stadt Land Tier

KINOSTART: 16.11.2017 • Thriller • A / CH / PL (2017) • 95 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Tiere
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
A / CH / PL
Laufzeit
95 Minuten
Kamera

Filmkritik

Aus den Fugen
Von Christopher Diekhaus

Greg Zglinski kreiert mit seinem Mysterythriller "Animals – Stadt Land Tier" schon nach wenigen Augenblicken ein Gefühl des Unwohlseins beim Zuschauer, denn seine Protagonisten geraten in einen Strudel aus merkwürdigen Ereignissen.

Dass es in Greg Zglinskis ("Kein Feuer im Winter") neuer Regiearbeit "Animals – Stadt Land Tier", die auf einem Drehbuch des 2007 verstorbenen Filmemachers Jörg Kalt basiert, nicht mit rechten Dingen zugeht, ist schon in den ersten Minuten unübersehbar: Als eine Frau aus einem Wiener Mehrfamilienhaus springt, schwenkt die Kamera langsam nach unten. Trotz deutlich hörbarer Aufprallgeräusche fehlt die Leiche, die eigentlich auf dem Bürgersteig liegen müsste. Die Gesetze der Logik sind augenscheinlich außer Kraft gesetzt, was umgehend ein Gefühl der Beklemmung erzeugt.

Alles andere als glücklich wirkt auch die Protagonistin Anna (Birgit Minichmayr), die bislang als Kinderbuchautorin ihr Geld verdient hat. Nun soll endlich ein Roman für Erwachsene entstehen, den sie in aller Ruhe während einer längeren Auszeit in der Schweiz in Angriff nehmen will. Gemeinsam mit ihrem Mann Nick (Philipp Hochmair), der als Koch ausgefallene Rezepte aus der Urlaubsregion sammeln möchte, bricht Anna in die Berge auf, wo es zu einem Unfall mit einem Schaf kommt. Nach kurzer Behandlung kann das Paar seine Reise zum abgelegenen Ferienhaus fortsetzen.

Unterdessen kümmert sich Mischa (Mona Petri) in Wien um die Wohnung von Anna und Nick. Als deren Nachbarin Andrea (ebenfalls Mona Petri) aus dem Fenster springt, steht plötzlich deren Ex Harald (Michael Ostrowski) vor der Tür und glaubt in Mischa die Tote zu erkennen. Die Haussitterin zeigt sich verwundert und bandelt schon bald mit dem charmanten Arzt Tarek (Mehdi Nebbou) an. In der Schweiz wird Anna das Gefühl nicht los, dass eine junge Eisverkäuferin (abermals Mona Petri) Andrea verdächtig ähnlich sieht. Ein schrecklicher Gedanke, da sie zu Recht vermutet, dass ihr Ehemann sie mit der Nachbarin betrogen hat.

Brüche, die Verwirrung stiften

"Woher weißt du, was ich mir vorstelle?" Diese Frage, die Anna ihrem Gatten an einer Stelle entgegenschleudert, wirkt im Rückblick wie ein doppeldeutiger Kommentar auf den gesamten Film. Oft kann man sich nicht sicher sein, welche Bilder nun die Realität oder Imaginationen zeigen. Ständig streut Zglinski Brüche ein, die Verwirrung stiften, die den Zuschauer verunsichern und das Geschehen komplett aus chronologischen und rationalen Zusammenhängen reißen. Etwa dann, wenn Anna und Nick auf ihrer Fahrt zum Feriendomizil am helllichten Tag in einen glutrot erleuchteten Tunnel fahren, den sie kurz darauf im Dunkeln verlassen. Oder aber wenn ein verlorener Finger thematisiert wird, obwohl das zum Verlust führende Ereignis erst im weiteren Verlauf zu sehen ist.

Tiere dienen als ominöse Vorboten einer zunehmend unheimlichen Welt, in der die Kommunikation zwischen den Figuren immer wieder fehlschlägt. Noch vor dem Aufbruch in die Schweiz findet das entfremdete Paar einen toten Fisch im Aquarium. Nur wenig später mäht Nick das Schaf auf der Straße um. Und in die Ferienhütte dringt ein Vogel ein, der wie von Sinnen gegen die Wände fliegt und schließlich leblos auf den Boden klatscht. Besonders bizarr, fast schon unfreiwillig komisch, ist das Auftauchen einer abgemagerten Katze, die die entgeisterte Anna in unheilvolle Gespräche verwickelt.

Ein Klima der Bedrohung

Der polnische Regisseur setzt klassische Spannungsmittel – gefährlich dröhnende Klänge, schleichende Kamerafahrten und gewaltsame Albträume – stilsicher ein und baut so ein surreales, schwer fassbares Klima der Bedrohung auf, das nicht von ungefähr an David Lynch und Roman Polanski, zwei Meister des Psychokinos, erinnert. Obwohl zahlreiche Bezüge zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen zutagetreten und sich die beiden Ebenen immer weiter annähern, verweigert der Mysterythriller eindeutige Antworten.

Da Zglinski die Rätselhaftigkeit der Geschichte anregend aufbereitet und starke Darsteller bei der Hand hat, hält sich die Frustration über eine fehlende Auflösung allerdings in Grenzen. Wer geheimnisvolle Beziehungsvexierspiele wie Denis Villeneuves Identitätsdrama "Enemy" begeistert verschlingt, wird auch an "Animals – Stadt Land Tier" seine Freude haben und den Film wahrscheinlich nach der ersten Sichtung noch einmal sehen wollen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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