Baby (Ansel Elgort) funktioniert nur mit der richtigen Musik im Ohr.

Baby Driver

KINOSTART: 27.07.2017 • Action • GB (2017) • 113 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Baby Driver
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
GB
Filmstudio
Big Talk Studios, Working Title Films, MRC
Budget
34.000.000 USD
Einspielergebnis
9.029.105 USD
Laufzeit
113 Minuten
Regie
Music

Filmkritik

Auf der Überholspur
von Christopher Diekhaus

Verspielte Gangsterballade um einen talentierten Fluchtwagenfahrer, der sich in eine Kellnerin verliebt.

Wie nimmt man den Zuschauer gleich am Anfang eines Films gefangen? Eine überzeugende Antwort auf diese Frage liefert der englische Regisseur und Drehbuchautor Edgar Wright ("The World's End") mit dem Einstieg von "Baby Driver", der sich in zwei bestechend orchestrierte Sequenzen unterteilt. Der jugendliche Titelheld Baby (Ansel Elgort) sitzt hier zunächst mit den Gangstern Griff (Jon Bernthal), Buddy (Jon Hamm) und Darling (Eiza González) in einem Wagen vor einer Bank, die seine Mitstreiter nur wenig später ausrauben. Der Coup an sich steht nicht im Fokus, findet vielmehr im Hintergrund statt, da die Kamera den wartenden Baby fixiert, der zu den Klängen aus seinen Kopfhörern auf dem Lenkrad herumtrommelt, um kurz darauf seine Komplizen in einer mitreißenden, perfekt getakteten Flucht aus der Gefahrenzone zu manövrieren.

Einen ähnlich starken Eindruck hinterlässt der in einer langen, fließenden Einstellung gefilmte Gang zum Coffee-Shop, wo Baby nach dem Überfall Getränke besorgen soll. Während der junge Mann in einer amüsanten Choreografie Passanten und Hindernissen ausweicht, sorgt die Musik aus seinem iPod erneut für handfesten Groove. Mit seinem schwungvollen Auftakt demonstriert Wright nicht nur inszenatorisches Geschick. Gleichzeitig gelingt es ihm, seinen Protagonisten und dessen Eigenschaften prägnant einzufangen. Baby lebt – einem Autisten ähnlich – in seiner eigenen Welt, in der Musik eine besonders große Rolle spielt. Als Ausdruck von Coolness und nicht zuletzt als Ablenkung vom Tinnitus, der ihn seit einem fatalen Autounfall im Kindesalter begleitet.

Seine kriminelle Laufbahn ist eng verknüpft mit dem abgebrühten Gangster Doc (Kevin Spacey), der es sich zunutze macht, dass der Jungspund bei ihm in der Kreide steht. Seine Raubzüge zieht das Mastermind stets mit wechselnder Besetzung durch. Einzig Baby ist als talentierter Fahrer jedes Mal dabei und kann so seine Schulden langsam abbauen. Eines Tages begegnet er allerdings der hübschen Kellnerin Debora (Lily James) und findet plötzlich Gefallen an einer Zukunft ohne schmutzige Geschäfte, die gerade jetzt in Reichweite liegt. Immerhin sind Baby und Doc nach einem weiteren Auftrag quitt. Dummerweise will der väterliche Drahtzieher aber schon bald nichts mehr davon wissen.

"Baby Driver" - eine unterhaltsame Räuber-Romanze

Zweifelsohne gibt der Plot von "Baby Driver" wenig her, weil sich Wright an Standardformeln des Gangsterkinos abarbeitet. Dass die temporeiche Räuber-Romanze dennoch unterhaltsam ausfällt, liegt erstens an der Figurenzeichnung und zweitens an der gewitzten Art und Weise, wie der Regisseur schmissige Songs, atmosphärische Schwankungen und handgemachte Actionszenen verbindet. Baby erweist sich als facettenreicher Held, der sich abseits seines Fluchtwagenjobs liebevoll um seinen tauben Pflegevater Joseph (CJ Jones) kümmert. Die Liebe zu Debora ist ein Klischee, fühlt sich im Zusammenspiel der beiden Darsteller aber natürlicher an als das Anbandeln in vielen romantischen Komödien.

Auch wenn das Geschehen regelmäßig von humorigen Einlagen und kleinen Gags durchbrochen wird, gibt es einige handfesten Spannungspassagen, in denen sich eine bedrohliche Stimmung breitmacht. Involviert ist dabei häufig der von Jamie Foxx herrlich aufbrausend verkörperte Gangster Bats, der vor allem Baby nicht über den Weg traut. Um eine Eskalation voranzutreiben, bemüht der Film im letzten Drittel einige eher simple Zufälle. Und noch dazu schießt Wright im turbulenten Showdown auf der Suche nach möglichst abgedrehten Exzessen ein wenig übers Ziel hinaus. In Erinnerung bleiben aber vor allem die vielen positiven Eindrücke, die man aus dem kurzweiligen Gangsterstreifen mit nach Hause nehmen kann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

War als Ray Charles brillant: Jamie Foxx.
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Später Erfolg dank "Mad Men": Jon Hamm.
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