Henri Picks Tochter Joséphine (Camille Cottin) arbeitet widerwillig mit dem Kritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) zusammen, um dem literarischen Genie ihres Vaters auf die Spur zu kommen.
Ein ziemlich kritischer Kritiker glaubt nicht an das Märchen vom Pizza backenden Literaturgenie: "Der geheime Roman des Monsieur Pick" ist für ihn ein Kriminalfall, den es zu lösen gilt.

Der geheime Roman des Monsieur Pick

KINOSTART: 26.12.2019 • Tragikomödie • F (2019) • 101 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Le Mystère Henri Pick
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
F
Filmstudio
Gaumont, France 2 Cinéma, SCOPE Pictures, Mandarin Production
Laufzeit
101 Minuten
Regie
Rémi Bezançon
Music
Laurent Perez del Mar
Kamera
Antoine Monod

Filmkritik

Wann ist ein Buch ein Buch?
von Andreas Fischer

"Der geheime Roman des Monsieur Pick" ist eine literarische Sensation und angeblich von einem Pizzabäcker geschrieben. Na ja, wer's glaubt ... Ein verbissener Kritiker will auf einer charmant-schrulligen Odyssee durch die Bretagne beweisen, dass alles nur Schummelei ist.

Irgendwo in einem kleinen Ort in der Bretagne schlummern ungehobene literarische Schätze in einer Bibliothek der abgelehnten Bücher. Dort entdeckt eine junge Verlagsangestellte ein echtes Juwel, geschrieben vom örtlichen Pizzabäcker. Mit allem Ehrgeiz veröffentlicht die Lektorin das Buch: "Die letzten Stunden einer großen Liebe" begeistert Kritik und Publikum gleichermaßen. Aber natürlich ist die Geschichte, die Regisseur Rémi Bezançon in seinem gleichermaßen reizenden wie belanglos dahinplätschernden Film erzählt, zu schön, um wahr zu sein. Und so macht sich ein verbissener Kritiker daran, das Geheimnis zu lüften, dass "Der geheime Roman des Monsieur Pick" birgt.

Literaturpapst Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) ist der einzige Mensch in ganz Frankreich, der an dem bretonischen Märchen zweifelt. Es ist aber auch wirklich schwer zu glauben, dass ein Mann, der zeitlebens nur als Autor von Speisekarten und Rechnungen in Erscheinung trat, ein Meisterwerk von Roman verfasst haben soll: brillant im Stil, hochgradig emotional und dazu gespickt mit sachkundigen Querverweisen zur russischen Literatur. Niemand soll bemerkt haben, dass der Pizzabäcker ein Doppelleben als literarische Koryphäe führt? Pick selbst kann sich nicht äußern, er ist seit zwei Jahren tot.

Rouche jedenfalls ist so skeptisch, dass er in seiner Sendung die Witwe des Autors übel beleidigt. Dem Sender gefällt das gar nicht, Rouche ist seinen Job los, hat aber eine neue Bestimmung gefunden. Er will der Welt beweisen, dass Monsieur Pick ein Hochstapler ist, und ermittelt auf eigene Faust in der bretonischen Unwirtlichkeit.

Kann ein Buch nur ein Buch sein?

Mit der Gemächlichkeit von Miss Marple und dem ironischen Witz von Hercule Poirot tappt der verbissene, aber nicht gänzlich unsympathisch gezeichnete Kritiker in alle möglichen Fettnäpfchen. Ausgerechnet die Tochter des Verstorbenen hilft ihm immer wieder aus der Bredouille: Joséphine Pick (Camille Cottin) unterstützt den Hobbydetektiv sogar bei seinen Ermittlungen. Sie will Gewissheit und dann ihre Ruhe.

Als Literaturkrimi nur leidlich spannend und eine Spur zu behäbig inszeniert, erzählt Rémi Bezançons Film durchweg charmant von blühender Fantasie und den Merkwürdigkeiten des Verlagsbetriebes. Seinen Witz findet der lose auf einem Buch von David Foenkinos basierende Film in den Anekdoten am Wegesrand: in einer geheimnisvollen Widmung, einer absurden Versammlung krimiverrückter Damen, einer eigenwilligen Anordnung von Büchern in Josephines privater Sammlung. Und in der Frage, ob ein Buch in einer Zeit, in der es mehr auf die Verpackung als auf die Inhalte ankommt, einfach nur ein Buch sein kann.

Interessanter als der Roman selbst ist schließlich die Geschichte dahinter. Daphné (Alice Isaaz), die ehrgeizige Lektorin, und ihr als Literat verkannter Freund Frédéric (Bastien Bouillon) wissen das als Millennials natürlich. Auf das Marketing kommt es an: Ein als einfacher Pizzabäcker lebendes literarisches Genie lässt sich gut verkaufen. Und wer etwas verkaufen will, muss sein Produkt spannend machen. Das ist Storytelling, wie es neuerdings heißt – und führt dazu, dass die Fans des Buches in der Pizzeria von Monsieur Pick Schlange stehen, um einen Blick auf die Kammer eines Literaten zu erhaschen, in der sich lediglich alte Speisekarten und Rechnungen stapeln.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller

Fabrice Luchini
Rainer Werner Fassbinder machte sie zum Star: Hanna Schygulla (hier im Tatort "Wofür es sich zu leben lohnt").
Hanna Schygulla
Weitere Darsteller
Camille Cottin Alice Isaaz Bastien Bouillon Philypa Phoenix Louis Descols Josiane Stoléru Astrid Whettnall Marie-Christine Orry Vincent Winterhalter Florence Muller Annie Mercier Louka Meliava Pierre Bourel Monsieur Fraize

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