Michael Moore (links) und Donald Trump saßen vor etwa 20 Jahren gemeinsam in einer Talkshow. Moore schämt sich heute dafür, dass er damals zu nett zum heutigen Präsidenten war.
"Nimm das, Demokratie!" - Michael Moore rechnet in "Fahrenheit 11/9" mit Donald Trump ab. Und mit all den Sextätern, Despoten, Demokraten, die Trump den Weg ins Weiße Haus geebnet haben.

Fahrenheit 11/9

KINOSTART: 17.01.2019 • Dokumentarfilm • USA (2018) • 128 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Fahrenheit 11/9
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Laufzeit
128 Minuten

Filmkritik

Zur Lage der Nation
Von Andreas Fischer

In seinem neuen Dokumentarfilm "Fahrenheit 11/9" analysiert Michael Moore den politischen Zustand der USA – gewohnt polemisch zwar, aber auch überraschend reif und ziemlich unterhaltsam.

Der wird doch nicht etwa ... Präsident? Nein, natürlich nicht. Doch nicht so einer wie Donald Trump. Ein windiger Immobilienmogul, ein Sexist, ein Rassist, ein eitler Pfau mit ungesunder Fixierung auf den Körper seiner Tochter Ivanka. Wie Michael Moore "Fahrenheit 11/9" beginnt, hat etwas von Realsatire. In einem bitter-witzigen Rückblick schneidet der streitbare Dokumentarfilmer ("Bowling for Columbine") all die falschen Prognosen zusammen, lässt sich die TV-Kommentatoren am Kasperfaktor Trumps ergötzen und das Hillary-Clinton-Lager siegesgewiss tanzen. Und dann bricht der Morgen des 9. November 2016 an: Donald Trump hat die Präsidentschaftswahl gewonnen. Was nun Amerika? Oder in Moores Worten: "How the fuck did this happen?"

"Fahrenheit 11/9" ist einer der besseren Michael-Moore-Filme. Dem Schwergewicht aus Michigan geht es weniger um Trump-Bashing, sondern um den Zustand der US-Gesellschaft: um einen erweiterten Blick auf das Land, auf die Art und Weise, wie Macht ausgeübt wird, wie Politik funktioniert, für wen sie gemacht wird. Das ist – natürlich – tendenziös und provokant, aber in Teilen auch erstaunlich differenziert und kurzweilig bis hin zum Irrwitz. Belege liefert Moore selten, er verschweigt auch einiges und vereinfacht viel. Das kennt man von dem Mann, der seine Filme immer schon auf maximale Propagandawirkung getrimmt hat. Moore hat eine Agenda (ziemlich links) – aber er macht keinen Hehl daraus.

Moore arbeitet sich nur kurz am schmutzigen Wahlkampf 2016 und an Donald Trump ab, dem Mann, der "all seine Verbrechen in der Öffentlichkeit begeht, als wären sie dadurch legitim". Recht schnell verschiebt sich der Fokus des Films – weg von Trump, hin zur Ursachenforschung, die Moore unter anderem wieder in seine sterbende Heimatstadt Flint führt. Die bankrotte Gemeinde wurde vom Gouverneur unter Zwangsverwaltung gestellt. Um Geld zu sparen, entnahmen die Wasserwerke seit 2014 Trinkwasser aus dem verseuchten Flint River – mit dramatischen Folgen für die Bewohner: Bleivergiftung, Legionärskrankheit, Gesundheitsnotstand.

Für Moore ist der Trinkwasserskandal ein Paradebeispiel für alles, was in den USA falsch läuft. Die Politik kümmert sich vornehmlich um den Profit. Die Menschen werden alleingelassen. "Trotzdem machen wir uns immer weiter etwas vor, bleiben untätig, die Hoffnung hat uns bequem gemacht", ärgert sich Moore und fragt sich, warum irgendjemand das aktuelle Amerika retten sollte. "Ich würde das Amerika retten, das wir noch gar nicht hatten."

Doch dafür müssen die Leute ihre Allerwertesten hochkriegen. 100 Millionen Wahlberechtigte haben 2016 gar nicht gewählt. "Wenn sich das Volk nicht beteiligt, dann verschwindet die Demokratie", sagt ein Experte. Moore zeigt in einer provokanten, aber klugen Montage, was das bedeutet, und vergleicht Trump mit Hitler. Dabei wirft er die beiden nicht einfach nur in einen Topf, sondern erklärt mit den Strukturen und Mustern der Vergangenheit die Gegenwart. Aber auch mit den Demokraten geht Moore hart ins Gericht und zeigt, dass die Weste von Barack Obama keineswegs so sauber ist, wie sie im verklärten Rückblick erstrahlt, und wie die Machtstrukturen in der Partei funktionieren.

Die Demokratie aber muss nicht vor die Hunde gehen. Und so widmet Michael Moore einen sehr großen Teil seines Films den Leuten, die in seinen Augen die Demokratie retten könnten: den Schülern, die landesweite Proteste nach dem Schulmassaker von Parkland/Florida organisierten, den Lehrern in West Virginia, die unbeugsam streikten, bis sie gegen den Widerstand von Politik und ihrer eigenen Gewerkschaft Lohnerhöhungen durchsetzten, der neuen Generation von demokratischen Abgeordneten, die das Establishment der Demokraten herausforderten – und die nach Fertigstellung des Films auch ins Kapitol einzogen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Der US-amerikanische Schauspieler, Drehbuchautor, Filmproduzent und Regisseur George Timothy Clooney wurde am 6. Mai 1961 in Lexington, Kentucky geboren.
George Clooney
Lesermeinung
Weitere Darsteller

Neu im kino

"Dune" ist bereits die zweite Verfilmung des legendären Science-Fiction-Romans.
Dune
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
Mit Shang-Chi steht erstmals ein asiatischer Superheld im Zentrum eines Marvel-Abenteuers.
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings
Action • 2021
prisma-Redaktion
In vier Episoden erzählt "Doch das Böse gibt es nicht" von der Todesstrafe im Iran.
Doch das Böse gibt es nicht
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Drama trifft Thriller trifft Groteske: "Promising Young Woman" mischt verschiedene Genres zu einem grandiosen Film.
Promising Young Woman
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
Für die Fußball-Dokumentation "Nachspiel" begleiteten die Filmemacher Christoph Hübner und Gabriele Voss ihre Protagonisten mehr als 20 Jahre lang.
Nachspiel
Dokumentarfilm • 2019
prisma-Redaktion
"Kaiserschmarrndrama" ist die siebte Verfilmung eines Rita-Falk-Krimis rund um den Niederkaltenkirchener Ermittler Eberhofer.
Kaiserschmarrndrama
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Vom flanierenden Werbetexter zum Verliebten und in den Abgrund: Tom Schilling spielt Erich Kästners Romanfigur Fabian aus dem Jahre 1931. Der ungewöhnliche Historienfilm lief im Wettbewerb der Berlinale und wurde von der Kritik gefeiert.
Fabian oder der Gang vor die Hunde
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Auf ein Neues! Die Antiheldentruppe Suicide Squad bekommt nach dem verunglückten ersten Leinwandauftritt von 2016 eine Frischzellenkur verpasst.
The Suicide Squad
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Jungle Cruise" ist ein Film für viele Geschmäcker: Neben Action und Spannung bietet der Streifen von Jaume Collet-Serra auch jede Menge Witz und eine wohldosierte Portion Romantik.
Jungle Cruise
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
Irgendwo steht immer ein Auto rum, das gefahren werden will: "Fast & Furious 9" macht einen Trip rund um die Welt und wagt sich sogar ins All.
Fast & Furious 9
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" wurde für sechs Oscars nominiert und gewann den Preis für die beste Nebendarstellerin.
Minari
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Wie ein ehrgeiziger Unternehmer auf der Suche nach größeren beruflichen Erfolgen den Zusammenhalt seiner Familie riskiert, beleuchtet Sean Durkins Drama "The Nest - Alles zu haben ist nie genug".
The Nest - Alles zu haben ist nie genug
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Erst im Kino, einen Tag später schon bei Disney+: "Black Widow" ist zurück.
Black Widow
Action • 2020
prisma-Redaktion
"Nomadland" gewann im Frühjahr drei Oscars - als bester Film, für die beste Regie sowie für die beste Hauptdarstellerin.
Nomadland
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Godzilla und King Kong haben sich im vierten Teil der MonsterVerse-Reihe keine Nettigkeiten zu sagen.
Godzilla vs. Kong
Action • 2021
prisma-Redaktion
"Stowaway - Blinder Passagier" erzählt von einer möglicherweise bahnbrechenden Marsmission, auf der es kurz nach dem Start zu einem dramatischen Zwischenfall kommt.
Stowaway - Blinder Passagier
Science-Fiction • 2021
prisma-Redaktion
"Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!" setzt die Reihe, die vor 20 Jahren ihren Anfang nahm, fort.
Cats & Dogs 3 - Pfoten vereint!
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
Trotz hochkarätiger Besetzung erreicht "A Quiet Place 2" nie die Intensität des viel gelobten Vorgängers von 2018.
A Quiet Place 2
Thriller • 2019
prisma-Redaktion
"Wonder Woman 1984" war zunächst nur bei Sky zu sehen und kommt nun auch in die Kinos.
Wonder Woman 1984
Action • 2020
prisma-Redaktion
In "Mortal Kombat" geht es äußerst brutal zur Sache.
Mortal Kombat
Action • 2021
prisma-Redaktion
In der Neuverfilmung von "Hexen hexen" verbreitet Anne Hathaway als Oberhexe Angst und Schrecken.
Hexen hexen
Komödie • 2020
prisma-Redaktion
"Und morgen die ganze Welt" erzählt von einer jungen Studentin, die sich der Antifa anschließt.
Und morgen die ganze Welt
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Nina Hoss kümmert sich als "Schwesterlein" um ihren todkranken Filmbruder Lars Eidinger - kann aber weder den Krebs noch die Klischees besiegen.
Schwesterlein
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Der Held der Kinderzimmer erobert die große Leinwand: "Yakari - Der Kinofilm".
Yakari - Der Kinofilm
Animationsfilm • 2020
prisma-Redaktion
Was einst im Wald rund um das Provinznest Stainbach geschah, raubt einer Mutter und ihrer Tochter noch Jahrzehnte später den Schlaf.
Schlaf
Drama • 2020
prisma-Redaktion
"Blumhouse's Der Hexenclub" ist die Fortsetzung von "Der Hexenclub" aus dem Jahr 1996.
Blumhouse's Der Hexenclub
Horror • 2020
"Greenland" ist ein spannender Katastrophenfilm, in dem nicht nur ein Komet, sondern auch die Menschen zur Gefahr werden.
Greenland
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Kajillionaire" ist der dritte Spielfilm der US-Künstlerin Miranda July.
Kajillionaire
Drama • 2020
Moritz Bleibtreus Regiedebüt "Cortex" kommt ambitioniert daher. Der bewusst verwirrende, anspruchsvolle Psychothriller lässt die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit und das Leben zweier Männer verschmelzen.
Cortex
Thriller • 2020
prisma-Redaktion
"Ema" ist ein bildgewaltiger Film mit Tiefgang.
Ema
Drama • 2019
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS