Der Dokumentarfilm begleitet die Mitglieder der Grunge-Band Union Youth.
Einmal Niedersachsen - Los Angeles, bitte. Der Erfolg der Band Union Youth war kurz und unglaublich. Es ist kein Verbrechen, dabei an Nirvana zu denken.

Könige der Welt

KINOSTART: 19.07.2018 • Dokumentarfilm • D (2017) • 99 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Könige der Welt
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Filmstudio
Hoferichter & Jacobs, NDR
Laufzeit
99 Minuten

Filmkritik

Der Rausch ist aus
von Claudia Nitsche

Die "Könige der Welt" sind ein kleiner, aber lauter Pulk Dorfjungs, die hoch geflogen und hart gelandet sind. Die Band aus Niedersachsen hat vor rund 15 Jahren eine – beinahe – sagenhafte Karriere hingelegt. Mit einem unverschämt selbstbewussten Plan erreichten Maze, Michael, Jan und Nobse als Wut-Brut mit Namen Union Youth ihr Ziel. Doch das glamouröse Rockstarleben bekam insbesondere ihrem Sänger nicht. Wie es ist, wenn es nicht mehr weitergeht, und wie es ist, wenn es weitergeht, zeigt diese unwiderstehliche Doku, die nicht nur ein Highlight für Musikfreunde ist. Sie zeigt mit großer Empathie Leiden und Freundschaft, gibt Einblick in Drogenabhängigkeit und den mühsamen Weg heraus.

Die Entstehungsgeschichte des Films ist ähnlich eigenwillig wie die Geschichte der Band: Christian von Brockhausen, einer der Regisseure, war umgezogen und saß mit Timo Großpietsch in seiner noch spärlich eingerichteten Wohnung. In dieser Leere hing ein Union-Youth-Plakat, pickelige Typen, ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als im niedersächsischen Bad Bentheim zwischen Viehweiden ein neuer Grunge entstand. Ein Märchen, das man sich in der Gegend noch immer erzählte – mit dazugedichteten Anekdoten und vielen Lücken.

Als im Laufe des Gesprächs Timo Großpietsch Fragen stellte, die von Brockhausen nicht beantworten konnte, beschlossen sie, gemeinsam die Antworten zu finden. Dass daraus ein Film werden würde, hielten beide zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich – und das vollkommen zu Recht. Denn dieses Filmdokument ist so intim, dass kaum zu glauben ist, dass es an die Öffentlichkeit gelang. Gleichzeitig ist es so spannend und emotional, dass man vor der Leistung der Regisseure nur größten Respekt haben kann.

Da von Brockhaus gut mit einem der Musiker befreundet war, verabredeten sich alle zu einem Probedreh in Berlin. Sänger Maze, der seinerzeit oft mit Kurt Cobain verglichen wurde, war das große Rätsel einer kleinen Stadt. Und er war es auch, der längst nicht auf ewig eingenordet ist. So beginnt der Film gleich mit einem Desaster und stand auch in der Folge mehrmals auf der Kippe. Wer den Film sieht, versteht warum.

Auf der Bühne mit den Ärzten, im Vorprogramm von Bush, Trinken mit Robbie Williams oder in der Limousine auf dem Weg zum nächsten Rausch – 2002 flog die Band Union Youth wie im Traum durch Los Angeles, erkor den Exzess zu ihrem besten Freund, und keiner konnte sich vorstellen, dass es irgendwann ein böses Erwachen geben könnte. Aus Spaß wurde Erfolg: Alle guten Labels bekamen ihr Demoband geschickt, mit dem Vermerk, die beste Rockband der Welt zu werden. Sie waren auf dem Weg.

Nach dem Absturz und einem langwierigen Entzug kommt die alte Clique wieder zusammen und macht sich seit zwei Jahren unter dem Namen Pictures daran, Musik zu machen – diese Sache, um die es eigentlich ging. Aber funktioniert das nüchtern überhaupt?

Wer im Anschluss an "Könige der Welt" irgendwann einmal diesen Maze Valentin auf der Straße trifft, wird ihn grüßen, weil er glaubt, dass er ihn kennt. Das ist das vermutlich größte Kompliment, das man dieser Doku machen kann.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Maze Exler Ole Fries Michael Borwitzky Markus Krieg

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