Selbst das Ende dieses ungewöhnlich mitreißenden und spannenden Films bietet mehr als den versöhnlichen Halbwitz zum Ausklang, mit dem wir sonst abgespeist werden. Peter Faber (Jörg Hartmann), wir haben ihn als verrückten Hund von Dortmund fürchten und schätzen gelernt, steht endlich einmal völlig entspannt unter der Dusche. Da schnappt sich Martina Bönisch (Anna Schudt) seinen von zahllosen Abstürzen versifften Parka, um ihn in die Reinigung zu entführen. Ende der Schmuddelzeit, Herr Kollege! Eines der vielen schönen Sinnbilder dieses Tatorts. Faber hat die Dämonen, die ihm das Leben zur Hölle machten, vertreiben können, hoffentlich. Und Bönisch sorgt sich mehr um ihn, als sie es sich eingestehen möchte. Faber bekommt es mit einem Mädchenschänder und Mörder zu tun, dem es vor allem um einen geht, um Faber. Dieser Mörder will ihn vernichten, aus Rache. Faber hatte vor Jahren seinen Vater hinter Gitter gebracht. Bönisch bekommt es mit ihrem Call-Boy zu tun. Der ist als Kokain-Dealer auffällig geworden und versucht seinen Kopf zu retten, indem er Bönisch erpresst. Das Dortmunder Buffo-Pärchen Nora und Daniel (Aylin Tezel, Stefan Konarske) bekommt es mit sich selbst zu tun. Sie ist schwanger. Als sie ihm das sagt, gefriert er an der Bierflasche in seiner Hand.

Regisseur Dror Zahavi, der den Anfang Januar gesendeten Köln-Tatort "Tatort - Franziska" grandios versemmelte, leistet hier Wiedergutmachung. Tessa Mittelstaedt und Hinnerk Schönemann hatten in "Franziska" wenig zu bieten außer verbeamteten Dialogen zu Minimalmimik. Hier liefern sich Jörg Hartmann und sein Gegenspieler Florian Bartholomäi ein Psychoduell erster Sahne. Bartholomäi spielt Markus Graf, das kleine Arschloch. Wenn er den Mund aufmacht, spricht hassgetränkte Neunmalklugheit, immer eine Kragenweite zu kess für das Früchtchen. Faber, sonst auch nicht maulfaul, kommt ihm nicht bei. War es Graf, der seine Familie auf dem Gewissen hat? Faber schwebt mit einem Bein über dem Abgrund, dem Sturz ins Nichts. Er muss die Nerven bewahren und alles riskieren. Faber und der Abgrund, auch das ein starkes Bild in einem ganz und gar ungewöhnlichen Tatort. Detlef Hartlap

Foto: WDR/Thomas Kost