Wenn doch Tessa Mittelstaedt und Hinnerk Schönemann nur einige von Króls 50 Spielarten der Verzweiflung rüberbrächten, wäre auch der zweite Tatort an diesem Abend des Zusehens wert. Franziska heißt die nicht jugendfreie Folge, die gleichzeitig Tessa Mittelstaedts letzter Auftritt als Mitglied der Kölner Tatort-Mordkommission ist. Im Knastlabyrinth herrscht ein fiebrig-aggressives Gewimmel (gedreht wurde in der früheren JVA "Ulmer Höh" in Düseldorf). Blicke wie Botschaften, Zeichen wie Urteile. Wärter, die lieber nichts sehen wollen. Plötzlich steckt ein Messer im Hals eines Häftlings. Unmittelbar vor der Bluttat war Franziska Lüttgenjohann auf dem Weg zu Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann). Er ist ein Mörder, dem sie als Bewährungshelferin nach zehn Jahren Haft den Weg in die Freiheit ebnen will.

Der Film wagt sich an ein uramerikanisches Genre, den Gefängnis-Thriller. Tessa Mittelstaedt hat den Übergang von Sorglosigkeit in einen Horrortrip zu gestalten, eine Situation, die aus dem Ruder läuft. Einfach ist das nicht. Doch verfügen, bei allem Respekt, weder Mittelstaedt noch Schönemann über Mittel, die Abgründe ihrer Rollen auszuloten. Und die in vielem schludrige Inszenierung (Regie: Dror Zahavi) hilft ihnen dabei nicht. Detlef Hartlap

Foto: WDR/Martin Valentin Menke