Im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts leben die verarmten Durbeyfields. Als John, ständig betrunkenes Oberhaupt der Familie, vom Dorfpfarrer erfährt, dass seine Familie von den reichen d'Urbevilles abstammt, schickt er seine älteste Tochter Tess auf deren Hof: Sie soll bei den reichen Verwandten Geld verdienen. Tess wird von ihrem Cousin Alec d'Urbevilles empfangen, der sogleich Gefallen an dem hübschen Mädchen findet. Diese weist das Drängen des verliebten Mannes jedoch zurück - und wird schließlich von ihm vergewaltigt. Das unerfahrene Dorfmädchen flieht zurück nach Hause und bringt dort ein uneheliches Kind zur Welt, das kurz darauf stirbt. Doch damit ist der Leidensweg von Tess noch nicht zu Ende ...

"Tess" ist die episch breite und romantische Verfilmung des 1891 veröffentlichten Romans "Tess of the d'Urbevilles" von Thomas Hardy. Der Regisseur Roman Polanski erzählt auf seine Weise die Lebensgeschichte des unschuldigen Bauernmädchens Tess, das an der Heuchelei und der Ausbeutung der viktorianischen Gesellschaft zerbricht. Durch die Verbindung von malerischen Bildern und einer breit aufgefächerten, traurigen Geschichte präsentiert sich der Film als Passionsweg eines tragischen Schicksals. Diese Stimmung wird durch die gelungene Darstellung der Hauptfiguren unterstützt, insbesondere der jungen Nastassja Kinski. Roman Polanskis Zugang zu diesem Stoff ist ein sehr persönlicher: "Tess of the d'Urbevilles" war einer der Lieblingsromane seiner 1969 brutal ermordeten Ehefrau Sharon Tate, der er seinen Film widmete. Dieser wurde 1981 neben vielen anderen Preisen mit drei Oscars für Ausstattung, Kamera und Kostümbild ausgezeichnet. Nastassja Kinski erhielt im selben Jahr den Golden Globe als beste weibliche Nachwuchsschauspielerin.

Foto: ARD/Degeto