Errol Morris verfolgt hehre Absichten. Sein Ziel: Im Interview mit Donald Rumsfeld - der Mann, der als Ratgeber von vier US-Präsidenten und zweimaliger Verteidigungsminister die amerikanische Außenpolitik und den "War on Terror" entscheidend mitgeprägt hat - dessen Psycho-Festung zu knacken und ihn zu Reflexionen über das, was er im Laufe seiner politischen Karriere getan hat, zu bewegen und sich selbst zu entlarven. Doch Donald Rumsfeld bleibt seinem Ruf treu, ein versierter Profipolitiker und Machtmensch zu sein. Trotz zahlreicher konkreter und unbequemer Fragen weicht Rumsfeld nicht von seinem Kurs ab und windet sich mit kluger Rhetorik und einer Vielzahl an verwirrenden Erklärungen um eine ehrliche Stellungnahme herum. Zudem feiert er sich als Kriegsheld und Retter Amerikas - ohne zu merken, dass er damit auch seinen wahren Charakter entlarvt ...

Der US-amerikanische Regisseur und Dokumentarfilmer Errol Morris, der für seine McNamara-Biographie "The Fog of War" 2004 unter anderem den Oscar für den Besten Dokumentarfilm erhielt, bleibt auch hier seinem Erfolgsschema treu. Anders als Michael Moore ("Bowling for Columbine"), der eher die Infotainment-Schiene fährt, setzt Morris ganz auf sachliche Informationen, kritische Betrachtungen sowie seriöse Darstellung und folgt damit einer Tradition, die sich auch die amerikanische Dokumentarlegende Donn Alan "D. A." Pennebaker auf die Fahnen geschrieben hat. Doch so gnadenlos Errol Morris Rumsfeld auch ins Kreuzverhör zu Themen wie Pearl Harbor, Vietnam und den Anschlägen vom 11. September 2001 nimmt, er bekommt vom Politprofi keine konkreten Antworten und bleibt am Ende mit einer Frustration zurück, die auch der Zuschauer zu spüren bekommt. Allen hehren Absichten zum Trotz: Die Festung konnte nicht zum Einsturz gebracht werden. Immerhin zeigt die Dokumentation, wie die Ideen, die Ängste und die Überzeugungen eines Mannes Amerika umgestalteten, den Lauf der Geschichte veränderten - und zum Krieg führten.

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