Sie graben im Garten nach ihren Familiengeschichten und werden schnell fündig, vielleicht weil Ben (Bill Pullman) einen Bagger benutzt. Doch seine Schwester Maggie (Anjelica Huston) ist eine Frau mit gutem Gehör, die jederzeit auch mit der Kaffeetasse und im Schlafanzug nach dem Rechten sieht. Zwei nicht mehr junge Sturköpfe buddeln im uramerikanischen Drama "Trouble" große Löcher, immer mit dem Ansinnen, den anderen hineinzustoßen. Dabei sieht die Farm in den Bergen von Vermont so schön idyllisch aus – bevor Ben anfängt, Blumen und das ganze Gelände systematisch zu zerstören.

Doch Maggie ist ebenfalls nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, zurückzuschlagen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass sie das Gewehr nicht nur zur Abschreckung in Händen hält. Viel zu entschlossen ist das Auftreten der gut erhaltenen Seniorin, die sich nach dem Tod ihres Mannes um alles alleine kümmern muss. Sie ist nicht gewillt, ihrem Bruder Land zurückzugeben, das er nun verbissen und natürlich zu Unrecht einfordert. Viele alte Verletzungen werden durch neue erweitert: Maggie bringt den guten Ben direkt ins Krankenhaus. "Bringen" durchaus im wörtlichen Sinn: Höchstpersönlich hat sie ihn angeschossen und ihn anschließend auf die Ladefläche ihres Pick-ups geladen, um ihn am Hospital abzuwerfen.

Bill Pullman gefällt (sich) in der Rolle des uneinsichtigen, grantigen Nörglers, der allerdings lange auf der Stelle tritt. Der Kleinkrieg zwischen den Geschwistern ist möglicherweise lächerlich, aber lustig anzuschauen. Denn auch das Umfeld besteht aus schrulligen Typen, von denen nur der einstige Kumpel und Vermittler Gerry (David Morse) liebenswert ist. Er übernimmt dann auch den Teil mit der Romantik, hegt er doch seit Jahrzehnten heimlich Gefühle für die resolute Maggie mit dem Cowboyhut.

Gerry ist es auch, der der verärgerten Maggie steckt, wer dieser aggressionsfreudige Curt (Jim Parrack) ist, mit dem Ben sich neuerdings abgibt. Ben allerdings ist ohnehin schnell ernsthaft außer Gefecht, bleibt aber selbst in desolatem Zustand präsent. Daneben versucht Julia Stiles, als die Kleine vom Amt weitere Abwechslung in die Geschichte zu bringen und den Altersdurchschnitt etwas zu senken.

Der Dialogwitz kommt nicht an den von Filmen wie "Fargo" heran, auch die Kleinstadt wird nur am Rande karikiert. Die Theaterautorin Theresa Rebeck, die hier Regie führt, hätte das Tempo durchaus verschärfen können oder die Gagquote qualitativ, notfalls auch quantitativ, erhöhen. Der Streit ums Grundstück zieht sich ohne neue Erkenntnisse in die Länge, und so verlegt man den Fokus auf die Familiengeschichte, die hinter der Wut steckt.

Man sieht Anjelica Huston, der 67-jährigen "Addams Family"-Ikone, jederzeit an, dass sie diesen Streit nicht so richtig ernst nimmt. Fakt ist, es muss sich ausgesöhnt werden, damit alle wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen können. So ist das in amerikanischen Filmen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst