Ein alter Mann, seine junge Frau und ein leidenschaftlicher Maler: "Tulpenfieber" rosamunde-pilchert sich durch Hollands Goldenes 17. Jahrhundert, das mit einem der ersten echten Börsencrashs aller Zeiten endet. Verfluchte Tulpenspekulanten! Verfluchte Liebe! Verflucht blumiger Kitsch! Immerhin spielen die Oscar-Gewinner Christoph Waltz, Alicia Vikander und Judi Dench in der Historienromanze von Justin Chadwick ("Die Schwester der Königin") mit, einem opulenten Historiengemälde mit bombastischer Ausstattung.

Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) ist ein sehr ehrbarer Mann, der die hübsche Sophia (Alicia Vikander) zwar aus egoistischen Gründen aus einem Kinderheim geholt hat, seine neue, viel jüngere Frau aber weitestgehend respektvoll behandelt. Sie soll ihm ein Kind gebären, und der erfolgreiche Amsterdamer Handelsmann wird nicht müde, ihr Leben angenehm zu machen. Überhaupt geht es in seinem Haus für das 17. Jahrhundert vergleichsweise liberal und tolerant zu.

Weil Cornelis' "kleiner Soldat voller Tatendrang ist", mangelt es nicht an "redlichen Versuchen", einen Nachfolger zu zeugen. Spaß macht das freilich nicht, und so passiert, was passieren muss: Sophia lässt sich bereitwillig in die Arme eines jüngeren, eines leidenschaftlicheren Mannes fallen. Den Maler Jan von Loos (Dane De Haan) hat Cornelis Sandvoort selbst ins Haus geholt, weil er der Nachwelt nicht nur seine Gene hinterlassen will, sondern auch ein schönes Familienporträt.

Romantischer Liebesfilm und opulentes Historiendrama

Justin Chadwick und Drehbuchautor Tom Stoppard ("Shakespeare in Love") setzen mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Deborah Moggach zu einem Rundumschlag an. "Tulpenfieber" ist romantischer Liebesfilm und opulentes Historiendrama, angereichert mit komödiantischen Elementen, die nicht so recht zum dramatischen Tonfall passen. Weil das noch nicht reicht, ist "Tulpenfieber" auch ein bisschen Börsenthriller.

Denn wer im Amsterdam des 17. Jahrhunderts schnell das große Geld machen wollte, spekulierte in dunklen Kaschemmen mit Tulpenzwiebeln – bis die holländische Regierung regulierend eingriff, der Wahnsinn ein Ende hatte und viele Leute alles verloren hatten. Schade, dass diese interessanten frühkapitalistischen Auswüchse zu schmückendem Beiwerk degradiert wurden, genau wie die großartige Judi Dench, die als skurrile Tulpennonne mit markige Sprüchen verheizt wird.

Auch die Oscargewinner in den Hauptrollen, Alicia Vikander und Christoph Waltz, sind latent unterfordert und spielen nicht viel mehr als ihre Routine aus. Für die beherzt auftretenden Nebendarsteller ist es ein Leichtes, den Stars die Show stehlen. Holiday Granger ist als Sandvoorts Magd Maria die gute Seele des Films und als Einzige emotional glaubwürdig. Sie gibt den Geschehnissen aus dem Off den Rahmen, beobachtet und ordnet ein, was da für Merkwürdigkeiten passieren auf der Leinwand.

Dick aufgetragenes, tragisches Ende

Und es ist eine ziemlich abstruse Geschichte, die sich aus der Liebelei Sophias und des Malers entwickelt, eine Geschichte, in der eine echte Schwangerschaft verheimlicht und eine falsche vorgetäuscht wird. In der Verwechslungen tragische Konsequenzen haben und Männer über Nacht zur Marine verschwinden. Dazu gibt es einen vermeintlichen Todesfall und eben die zerplatzte Börsenblase, was alles zu einem dick aufgetragenen, tragischen Ende führt, das ausgerechnet jene Menschen happy macht, von denen man es am wenigsten erwartet hätte.

Quelle: teleschau – der Mediendienst