Otto (Jörg Schüttauf) ist der wohl beste Honecker-Darsteller der DDR. Besser als das Original?
13 Jahre dauerte es, bis "Vorwärts immer!" in die Kinos kommen konnte. Es hätte auch eine TV-Premiere gereicht.

Vorwärts immer!

KINOSTART: 12.10.2017 • Komödie • D (2017) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Vorwärts immer!
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
98 Minuten

Filmkritik

Der doppelte Honecker
Von Annekatrin Liebisch

Franziska Meletzky hat mit "Vorwärts immer!" eine Komödie inszeniert, die durch ihren fast schon thrillerartigen Handlungsstrang keine großen Lacher mit sich bringt. Vor allem die starken ostdeutschen Darsteller hätten mehr verdient gehabt.

Es ist schon ein wenig gemein: Da kämpfte Produzent Philipp Weinges zehn Jahre lang ausdauernd dafür, eine nach eigener Aussage "relativ harmlose, aber liebevoll erzählte Honecker-Komödie" zu realisieren. Und dann, gut eine Woche, bevor "Vorwärts immer!" schließlich in die Kinos kommen sollte, zeigte ausgerechnet der Produktionspartner ARD mit "Willkommen bei den Honeckers" am Tag der Deutschen Einheit eine eigene relativ harmlose, aber liebevoll erzählte Honecker-Komödie. Die mit 3,8 Millionen Zuschauern sogar noch recht solide Quoten erzielte. Zwar erzählen die beiden Produktionen völlig unterschiedliche Geschichten – der TV-Film eine "ziemlich wahre" und der Kinofilm eine ziemlich erfundene. Aber ist das doch recht ähnliche Zielpublikum bereit für zwei Honecker-Komödien in so kurzer Zeit?

Denn daran, dass sich "Vorwärts immer" vorrangig an eine Ü50-Zuschauerschaft richtet, täuschen auch die jungen Gesichter von Josefine PreußJacob Matschenz und Marc Benjamin nicht hinweg, die in der Posse größere Nebenrollen spielen: Der Ost-Rock-Soundtrack ist so dosiert, dass er im Zusammenspiel mit ausgesuchten DDR-Requisiten zwar Ostalgie-Gefühle aufkommen lässt, aber auch nicht weiter stört. Schnitt und Bildgestaltung entsprechen den Sehgewohnheiten des nicht ganz so experimentierfreudigen Teils der ARD-Zuschauer. Die sind mit Hauptdarsteller Jörg Schüttauf dank seines langjährigen "Tatort"-Engagements an der Seite von Andrea Sawatzki ohnehin vertraut.

Schüttauf spielt den DDR-bekannten Bühnenschauspieler Otto Wolf, der mitten in der Probe zum neuen, ungenehmigten Theaterstück "Vorwärts immer!" beunruhigende Nachrichten erhält: Seine geliebte Tochter Anne (Preuß) will in den Westen "rübermachen". Um ihren gefälschten Westpass abzuholen, ist Anne mit ihrem Freund Matti (Benjamin) und ihrem Fälscherkontakt August (Matschenz) auf dem Weg nach Leipzig. Dort, wo an jenem 9. Oktober 1989 Polizei- und Armeetrupps auf Anweisungen warten, wie mit den Tausenden Demonstranten zu verfahren sei, die sich dort seit einigen Montagen zum Protest sammelten. Als ein gut informierter Kollege Otto auch noch steckt, Honecker habe den Schießbefehl erteilt, ist für den liebenden Vater klar: Er muss seine Anne retten – und zwar in seiner Paraderolle Erich Honecker.

In Theaterverkleidung und einem Volvo, den der Schwager des Kollegen der Frau von Ottos Bühnenkameraden Hans organisiert hat – ja, so lief das damals –, bricht Otto zum Zentralkomitee auf. Denn nur von einem ganz bestimmten Telefon aus lässt sich der Schießbefehl zurücknehmen. Und da der echte Honecker gerade außer Haus ist, scheint die Gelegenheit günstig. Doch im Hauptquartier der DDR-Führung fällt der Genosse Honecker bald nicht nur durch merkwürdiges Benehmen auf: Ausgerechnet Margot Honecker (Hedi Kriegeskotte) läuft der falsche Generalsekretär in die Arme ...

Keine wirklich großen Lacher

Eine Hürde nach der nächsten stellt Drehbuchautor Markus Thebe auf, über die Regisseurin Franziska Meletzky den falschen Honecker in Slap-Stick-Manier stolpern lässt. Humor zugeschnitten auf Zuschauer, die mit den Filmen von Louis de Funès aufwuchsen, die sowohl im Osten als auch im Westen sehr beliebt waren. Dass sich trotz der vielen skurrilen Situationen, in die Otto gerät, keine wirklich großen Lacher ergeben, liegt vermutlich an dem schon fast thrillerartigen Handlungsstrang, den die "Tatort"-erprobte Regisseurin immer wieder zwischenschneidet: Anne und ihre zwei Begleiter liefern sich in Leipzig nämlich gefährliche Verfolgungsjagden mit diensteifrigen Stasi-Schergen.

Dass die Komödie dadurch ihren Erzählton nie richtig findet, ist vor allem deshalb schade, weil sie einigen wirklich begnadeten ostdeutschen Darstellern, die viel zu selten im Rampenlicht stehen dürfen, mal eine große Bühne bietet: Nicht nur der Chemnitzer Schüttauf hätte in gesamtdeutschen Filmen öfter als zuletzt eine Hauptrolle verdient, auch die beiden Dresdner Steffen Scheumann und Stephan Grossmann hinterlassen in ihren kleinen Rollen großen Eindruck.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller
Seit 2013 ermittelt Devid Striesow am Saarbrücker "Tatort".
Devid Striesow
Lesermeinung
Jacob Matschenz
Lesermeinung
Sie ist die, die in "Türkisch für Anfänger" als Lena Erfolge feiert: Josefine Preuß.
Josefine Preuß
Lesermeinung
Weitere Darsteller

Neu im kino

Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Ticket ins Paradies
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Lieber Kurt
Komödie • 2022
Orphan: First Kill
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Das Leben ein Tanz
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Alle für Ella
Komödie • 2022
Das Glücksrad
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Freibad
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Kein Blockbuster-Stoff, trotzdem ein echtes Kino-Erlebnis: Mit "Three Thousand Years of Longing" präsentiert George Miller seinen zehnten Spielfilm.
Three Thousand Years of Longing
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Die Känguru-Verschwörung
Satire • 2022
prisma-Redaktion
After Forever
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Beast – Jäger ohne Gnade
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka!
Kinderfilm • 2022
prisma-Redaktion
Jagdsaison
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Der Gesang der Flusskrebse
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr
2021
prisma-Redaktion
Nope
2022
prisma-Redaktion
Der junge Häuptling Winnetou
Abenteuerfilm • 2021
Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Bullet Train
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
Guglhupfgeschwader
2022
prisma-Redaktion
Hatching
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Der perfekte Chef
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
DC League of Super-Pets
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Bibi & Tina – Einfach anders
Abenteuerfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS

Komische Gesichter sind seine Spezialität: Rowan Atkinson
Rowan Atkinson
Lesermeinung
Schauspielerin Martina Gedeck.
Martina Gedeck
Lesermeinung
Mimt gerne den alten Haudegen: Scott Glenn.
Scott Glenn
Lesermeinung
Wurde als "Punisher" bekannt: Thomas Jane.
Thomas Jane
Lesermeinung
Der Mann mit dem Schnauzbart: Tom Selleck.
Tom Selleck
Lesermeinung
Traci Lords schaffte den Absprung vom Pornofilm.
Traci Lords
Lesermeinung
Caroline Peters in der gefeierten Krimiserie "Mord mit Aussicht".
Caroline Peters
Lesermeinung
Tom Beck in der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei".
Tom Beck
Lesermeinung
Lässiger Typ: Schauspieler Karl Urban.
Karl Urban
Lesermeinung
Nach dem Studium trat sie in New York in einigen Theaterstücken auf: Sienna Miller.
Sienna Miller
Lesermeinung
Smart und vielseitig: Heino Ferch, hier in dem
Familiendrama "Vater Mutter Mörder"
Heino Ferch
Lesermeinung