Waren meine Vorfahren Handlanger der Nationalsozialisten? Oder nur Sympathisanten oder beteiligten sich sogar am Widerstand gegen die Nazi-Diktatur? Diese Fragen hat sich wohl jeder nach dem Krieg Geborene schon einmal gestellt. Oder stellte sie den Eltern und bekam keine Antwort. Auch Regisseur und Autor Jens Schanze stellt diese Frage seiner Mutter: War dein Vater ein Nazi?

Ähnlich wie Malte Ludin in "2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß" dokumentiert Regisseur Jens Schanze in seiner Abschlußarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen in München die Aufarbeitung der lange verdrängten NS-Vergangenheit innerhalb der eigenen Familie. Die Verstrickungen des Großvaters in den Nationalsozialismus wurden Jahrzehntelang verdrängt und verschwiegen. Doch die Entscheidung der Mutter, die kritische Beschäftigung mit der Person ihres Vaters zuzulassen, bringt Bewegung in scheinbar festgefahrene Familienstrukturen. Sicher kein unwichtiger Film, zumal in vielen deutschen Familien diese Diskussion nie geführt wurde. Aber wer geht dafür ins Kino?

Foto: Tiberius