Als feinsinniger Teenager mit bildungsbürgerlichem Hintergrund ist Felix Laub für den jungen Berliner Türken Can und seine Gang ein willkommenes Opfer. Hilflos und ängstlich erträgt der Schüler und Hobby-Cellist Cans Schikanen, bis sein Vater Simon Laub bemerkt, was Felix durchmacht. Nagelneue Schuhe hatte Felix an den Anführer der Gang abtreten müssen; eine solche Frechheit will der angehende Universitätsprofessor Simon nicht so einfach durchgehen lassen. Angetrieben auch durch seine Frau Christa, stellt er sich sofort schützend vor seinen Sohn - um festzustellen, dass die Sache so einfach nicht aus der Welt zu schaffen ist...

Der deutsch-türkische Regisseur Züli Aladag ("Elefantenherz") drehte ein mitunter erschreckend realistisches, intensives Drama über das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und Wertvorstellungen. Atmosphärisch dicht inszeniert, überzeugen die Darsteller bis in die kleinsten Nebenrollen, besonders der in Kreuzberg und Neukölln aufgewachsene Türke Oktay Özdemir ("König der Diebe", "Knallhart") als Can spielt mit einer schon beängstigenden Authentizität. Und Regisseur Aladag vergisst auch nicht, die Machtlosigkeit des Justizapparates angesichts derlei Schikanen anzuprangern und warnt gleichzeitig vor Selbstjustiz. Dafür gab's 2006 den Adolf-Grimme-Preis.

Foto: WDR/Hardy Spitz