Der Untergang
05.05.2023 • 20:15 - 22:39 Uhr
Spielfilm, Drama
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prisma-Redaktion
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Originaltitel
Der Untergang
Produktionsland
D, A, I
Produktionsdatum
2004
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 16. September 2004
DVD-Start
Do., 17. März 2005
Spielfilm, Drama

Leben und Tod im Bunker

Von Frank Rauscher

Anfangs mit viel Skepsis begleitet, ist "Der Untergang" längst zum fiktionalen Standardwerk über das Kriegsende in der Berliner Nazi-Machtzentrale avanciert. Nun ist der Film erneut bei 3sat zu sehen.

Oliver Hirschbiegels "Der Untergang" (2004) sorgte schon Wochen vor dem Kinostart dafür, dass damals über das "Dritte Reich" so viel diskutiert wurde, wie seit sechs Jahrzehnten nicht mehr. Im Zentrum der Debatte stand die Frage, ob man Hitler als Mensch überhaupt zeigen dürfe. Produzent Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch verfasste, traute sich – und rund 4,6 Millionen Menschen wollten das klaustrophobische Bunkerdrama im Kino sehen.

Mit einem großartigen Ensemble hat Hirschbiegel einen fast dokumentarischen Film gedreht, der die Zuschauerinnen und Zuschauer mit seiner gnadenlosen und – immer dann, wenn der 2019 im Alter von 77 Jahren verstorbene Bruno Ganz als Adolf Hitler die Szenerie bestimmt – atemberaubenden Authentizität in seinen Bann zieht. Allerdings offenbart der oscarnominierte Film auch eine Detail-Versessenheit, die nicht jedem zugänglich ist. 3sat zeigt den 143-minütigen Film nun erneut zur besten Sendezeit.

Phantom-Truppen auf dem Kartentisch

Auf der Grundlage der Aufzeichnungen der Hitlersekretärin Traudl Junge und des Essays "Der Untergang" von Joachim Fest beschreibt der Film die Tage vom 20. April 1945, Hitlers 56. Geburtstag, bis zum 2. Mai 1945. Der "Führer" hat sich in seinem Bunker unter der Reichskanzlei verschanzt. Die russischen Truppen stehen vor den Toren Berlins, der Krieg ist verloren.

Mit einigen Generälen und Vertrauten hofft Hitler vergebens auf die Wende, herbeigeführt durch Armeen, die nicht mehr existieren. "Kampfgruppe Steiner"? "Armee Wenck"? – Phantom-Truppen auf Hitlers Kartentisch. Die Realität: Armee-Reste, die um ihr Überleben kämpfen, verblendete Hitler-Jugendliche, die ebenso sinnlos sterben wie die Zivilbevölkerung, SS-Schergen, die auf der Jagd nach Deserteuren keine Gefangenen machen ... Und natürlich ein unerbittlicher Feind, dem Hirschbiegel und Eichinger kein Gesicht gegeben haben, "Der Untergang" ist kein Kriegsfilm.

Traudl Junge verstarb wenige Stunden nach der Uraufführung

Der Zuschauer kann sich nicht ohne Weiteres auf die Seite des Guten gegen das Böse schlagen, er muss sich mit diesen untergehenden Deutschen in ihrem Bunker beschäftigen, ob er will oder nicht. Fast krampfhaft möchte man einen finden, der verurteilt, opponiert, sich auflehnt. Aber wo? Professor Schenk (Christian Berkel), der SS-Arzt, ist im Kampf um Leben und für Gerechtigkeit von vornherein machtlos, doch das verbindende Element zwischen der Welt oben und dem Bunker unten. Dort wagt keiner aus Hitlers engstem Kreise zu widersprechen. Man taumelt mit mehr oder weniger offenen Augen dem Untergang entgegen. Auch Traudl Junge (Alexandra Maria Lara), Hitlers kreuzbrave Sekretärin.

Erst dann, fast ganz am Schluss, greift Hirschbiegels ansonsten eiskalte Inszenierung richtig ans Herz. Corinna Harfouch – seit kurzem auch "Tatort"-Kommissarin – als Magda Goebbels, die "glücklichste Mutter Deutschlands", treibt den Zuschauern Tränen in die Augen, wenn sie als Frau des Reichspropagandaministers (Ulrich Matthes) ihre Kinder in den Selbstmord zwingt.

Aber das allein würde vor der Kritik gewiss nicht als moralischer Kommentar ausreichen, den viele bei einer solchen Auseinandersetzung mit der Historie für unerlässlich halten. Deshalb darf die wahre Traudl Junge im Vorwort und im Epilog Stellung beziehen. Jene Aufnahmen stammen aus André Hellers Dokumentarfilm "Im toten Winkel". Traudl Junge verstarb im Februar 2002 81-jährig, wenige Stunden nach der Uraufführung.

Der Untergang – Fr. 05.05. – 3sat: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Der Untergang"

Darsteller

Gefeierter Charakterdarsteller: Bruno Ganz.
Bruno Ganz
Auch international erfolgreich: Alexandra Maria Lara.
Alexandra Maria Lara
Juliane Köhler
Ulrich Matthes
Corinna Harfouch in "Was bleibt".
Corinna Harfouch
Schauspieler Heino Ferch im Jahr 2020.
Heino Ferch
Überzeugt mit vordergründiger Coolness: Christian Berkel
Christian Berkel
Vielseitig einsetzbarer Schauspieler: Ulrich 
Noethen, hier in "Von Mäusen und Lügen"
Ulrich Noethen
Ein Charakterkopf: Michael Mendl.
Michael Mendl
Justus von Dohnányi in "Bis zum Ellbogen"
Justus von Dohnányi
Thomas Kretschmann ist auch häufiger in Hollywood-Filmen zu sehen.
Thomas Kretschmann
Fabian Busch
Gefragter Charakterdarsteller: Matthias Habich (hier im letzten Bodensee-Tatort "Wofür es sich zu leben lohnt").
Matthias Habich
André Hennicke als Polizist in "Alphamann - Amok".
André Hennicke
Ein toller Russischlehrer! Ulrike Krumbiegel hat es auf  Merab Ninidze abgesehen.
Ulrike Krumbiegel
Birgit Minichmayr
Unscheinbar, aber gut: Christian Redl, hier in seiner Paraderolle als Kommissar Krüger in "Spreewaldkrimi - Eine tödliche Legende"
Christian Redl
Thomas Thieme als Ermittler in "Rosa Roth -
Das Mädchen aus Sumy"
Thomas Thieme
Viel beschäftigt: Alexander Held
Alexander Held
Macht als Prof. Dr. Peter Wagner in der ZDF-Serie "Dr. Klein" eine gute Figur: Karl Kranzkowski.
Karl Kranzkowski
Jürgen Tonkel
Seit 2013 ermittelt Devid Striesow am Saarbrücker "Tatort".
Devid Striesow
Oliver Stritzel
Anna Thalbach: Alle Infos zu der Schauspielerin im Starporträt.
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Ein Gesicht, das man aus vielen TV-Produktionen kennt: August Schmölzer (hier in der ARD-Produktion: "Die Landärztin - Diagnose Tollwut").
August Schmölzer
Tanja Schleiff in im Dortmunder "Tatort - Mein
Revier"
Tanja Schleiff
Michael Brandner in der erfolgreichen Serie
"Großstadtrevier"
Michael Brandner
Vollblutschauspielerin Julia Jentsch.
Julia Jentsch
Weitere Darsteller
Götz Otto Bettina Redlich Rolf Kanies Thomas Limpinsel Donevan Gunia Dieter Mann Heinrich Schmieder Dietrich Hollinderbäumer Thorsten Krohn Christian Hoening Dirk Borchardt Елизавета Боярская Igor Bubenchikov Martin Butzke Дмитрий Быковский-Ромашов Mathias Gnädinger Bohdan Graczyk Norbert Heckner Enno Hesse Michael Kind Elisabeth von Koch Константин Лукашов Stefan Mehren Katerina Poladjan Christian Schmidt Jurij Schrader Мария Семёнова Klaus-Jürgen Steinmann Veit Stübner Всеволод Цурило Henning Peker Dieter Rupp Andrey Blagoslovenskiy Valeriy Salomakhin Igor Sergeev

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