Viel wird gegenwärtig über die Erinnerungskultur und den "deutschen Schuldkomplex" diskutiert. Tatsächlich muss man sich eher die Frage stellen, ob in der heutigen Gesellschaft - nicht nur der deutschen - überhaupt noch angemessene mit den historischen Gräuel umgegangen wird.

Dies beschäftigte auch den ukrainischen Regisseur Sergey Loznitsa, der mit der Kamera Besucher ehemaliger Konzentrationslager beobachtete. Herausgekommen ist ein Beitrag, den man nicht unvorbereitet ansehen sollte, denn Loznitsa überlässt es dem Zuschauer selbst, Schlüsse aus den Bildern zu ziehen, und gibt ihm keine Interpretationshilfen zur Hand.

Die Macht der Bilder

Das beginnt schon beim Titel: "Austerlitz" ist für die meisten als Schlacht in den Napeleonischen Kriegen ein Begriff. Doch so heißt auch ein Roman von W. G. Sebald, der halbbiografisch das Schicksal des jüdischen Wissenschaftlers Jacques Austerlitz behandelt. Diese literarische Vorlage inspirierte Loznitsa zu seinem Film, der aus mehreren Minuten langen, unkommentierten, schwarz-weißen Einstellungen besteht, die Besucher der Gedenkstätten zeigen.

Dem konzentrierten Zuschauer offenbart sich dabei, wie achtlos viele diesen Orten gegenübertreten und wie entkoppelt die Menschen von der Erinnerung an die damaligen Schrecken sind. Es ist ein schwieriges Werk, doch es belohnt mit einer Einsicht, dass es beim Gedenken an den Holocaust nicht um die vielzitierte Nazikeule geht, sondern um ein Wertschätzen der Freiheit, in der die meisten heute leben. 

Sehen Sie hier den Trailer zu "Austerlitz":