Der Autor James Lord (Armie Hammer) bewundert Alberto Giacometti (Geoffrey Rush). Doch wann ist seine Geduld erschöpft?

Final Portrait

KINOSTART: 03.08.2017 • Drama • GB / F (2017) • 94 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Final Portrait
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
GB / F
Filmstudio
Potboiler Productions, Olive Productions, Arsam International, Lowsun Productions, Riverstone Pictures, HanWay Films
Einspielergebnis
1.113.254 USD
Laufzeit
94 Minuten
Music
Evan Lurie
Kamera
Danny Cohen, Parisa Taghizadeh

Filmkritik

... und immer wieder von vorn
von Kai-Oliver Derks

"Final Portrait" ist ein komischer und gleichsam tragischer Film über die Selbstzweifel des Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti – brilliant gespielt von Geoffrey Rush.

"Ich wüsste nicht, wie man das Leben eines Menschen in einen eineinhalb- oder zweistündigen Film packen soll", sagt Stanley Tucci und wählte einen anderen Weg. "Final Portrait" erzählt nur wenige Wochen aus dem Leben des Schweizer Bildhauers und Malers Alberto Giacometti, der zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts gezählt wird. Der Titel des Films sagt hier alles: Es geht tatsächlich um das letzte Porträt, das Giacometti gemalt hat. 1990, 24 Jahre nach seinem Tod, wurde es für 20 Millionen Dollar verkauft. In der Hauptrolle: ein wunderbarer Geoffrey Rush, der den Film quasi im Alleingang durch die anderthalb Stunden trägt.

Was ist wahr an "Final Portrait"?

So viele Begegnungen gab es im wahren Leben Giacomettis, die auf den ersten Blick interessant gewesen wären. Er traf Sartre und Simone de Beauvoir, Picasso, Strawinsky, Beckett. International wurde er schon zu Lebzeiten bewundert. An Geld mangelte es ihm nicht. Gegen Ende seines Lebens, der Film spielt im Jahr 1964, lebte er in Paris. Aber nicht etwa in einem glamourösen Umfeld.

Auf der Basis vieler bekannter Aufnahmen aus jener Zeit ließ Stanley Tucci Atelier und Wohnung Giacomettis nachbauen. Es ist ein bescheidener Ort, ein großes Durcheinander. Ein Hinterhof, unaufgeräumt, eher schmutzig, wild und chaotisch. Luxus, so zeigt sich, bedeutet dem Künstler nichts. Dort wirkt er, schafft seine bekannten schmalen Plastiken, zetert und raucht dabei eine nach der anderen.

Seit zehn Jahren ist Giacometti mit dem jungen Schriftsteller und Kunstliebhaber James Lord (Armie Hammer) befreundet. Der sagt denn gerne und dankbar zu, als der Künstler ihn bittet, für ein Porträt Modell zu sitzen. Nur wenige Stunden soll es dauern, vielleicht einen Tag. Doch es kommt anders. Giacometti malt, zweifelt und beginnt von Neuem. Giacometti malt, wird abgelenkt durch sein turbulentes Privatleben und beginnt von Neuem. Schon am zweiten Tag wollte Lord eigentlich wieder zurück nach New York fliegen. Doch wer ist er, dass er die Bitte des Malers, doch noch etwas länger zu bleiben, ablehnen könnte? Aus Tagen werden Wochen ... der Maler bleibt unzufrieden und konfus. James Lord verliert langsam die Geduld.

Konträrer könnten zwei Hauptfiguren in einem Film nicht sein. Hier Giacometti, der eitle, wirre Künstler, der so ziemlich jedes Klischee des ewig nörgelnden Genies erfüllt, das voller Selbstzweifel ist. Auf der anderen Seite der Autor: jung, adrett gekleidet, korrekt, eloquent. Ein Mann ohne Ecken und Kanten. Warum sich Giacometti überhaupt für ihn interessiert, wird nicht so recht klar. Womöglich sucht er nach der großen Herausforderung: Es gilt, einem schönen Gesicht im Bild auch noch einen Charakter zu geben. Doch im glatten, gar langweiligen Äußeren des Modells findet Giacometti nichts Erwähnenswertes.

Nebenbei erzählt der Film aus dem Privatleben des Künstlers. Seit 15 Jahren ist er mit der 22 Jahre jüngeren Annette (Sylvie Testud) verheiratet. Er braucht sie, jedenfalls ein bisschen, aber eine Inspiration ist sie für ihn nicht mehr. Stattdessen leistet er sich die Prostituierte Caroline (Clémence Poésy), die schon seit langer Zeit an seiner Seite ist. Annette duldet das, beobachtet das Turtelpärchen gar durch die Scheibe. Sie ist eifersüchtig, doch sie weiß: Sie wird ihrem Mann sein Vergnügen nicht nehmen können.

James Lord, der mehr und mehr verzweifelt, sucht sich derweil Hilfe bei Diego (Tony Shalhoub), dem Bruder Giacomettis, der selbst Künstler ist, aber seine Karriere hintenan gestellt hat, um Alberto zu unterstützen. Ein ums andere Mal ist er als Vermittler gefragt.

In diesem kleinen Kosmos spielt sich, von ein paar Ausflügen in Cafés abgesehen, der gesamte Film ab. Ob des ständigen Scheiterns des Malers droht der Erzählung fraglos Langeweile. Es passiert wenig, sieht man von einem Konflikt mit den Zuhältern Carolines ab. Und doch ist es ein Vergnügen, für eine Weile hinter die Kulissen eines verrückten Lebens blicken zu dürfen. An Geoffrey Rush, der dem echten Alberto Giacometti unfassbar ähnlich sieht, kann man sich nicht sattsehen. Das Kauzige und das Brillante wechseln einander ab, das Komische und das Tragische ebenso. Wer nach dem Film tatsächlich mehr über Giacometti erfahren will, dem seien Lords Memoiren "A Giacometti Portrait" nahegelegt, auf denen "Final Portrait" basiert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Cooler Typ mit Posterboy-Qualität: Armie Hammer.
Armie Hammer
Clémence Poésy
Geoffrey Rush
Sylvie Testud
Tony Shalhoub bei der Premiere des Films "Pain & Gain".
Tony Shalhoub
Weitere Darsteller
James Faulkner Kerry Shale Annabel Mullion Tim Dreisden Takatsuna Mukai Philippe Spall Gaspard Caens Tina Simmons

Neu im kino

Klara und die Sonne (2026)
Klara und die Sonne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
By Any Means (2026)
By Any Means
Thriller • 2026
prisma-Redaktion
Die Blutgräfin (2026)
Die Blutgräfin
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Der perfekte Urlaub (2026)
Der perfekte Urlaub
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Clayface (2026)
Clayface
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Ali G: Who Iz I? (2026)
Ali G: Who Iz I?
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte (2026)
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Street Fighter (2026)
Street Fighter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Whalefall (2026)
Whalefall
Thriller • 2026
Sinn und Sinnlichkeit (2026)
Sinn und Sinnlichkeit
Drama • 2026
prisma-Redaktion
The Social Reckoning (2026)
The Social Reckoning
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Alte Liebe (2026)
Alte Liebe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Lügen über meine Mutter (2026)
Lügen über meine Mutter
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Digger (2026)
Digger
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Verity – Dunkle Geheimnisse (2026)
Verity – Dunkle Geheimnisse
Mystery • 2026
prisma-Redaktion
Corpus Delicti (2026)
Corpus Delicti
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Emil und die Detektive (2026)
Emil und die Detektive
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast (2026)
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise (2026)
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Adams Acht (2026)
Adams Acht
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Coyote vs. ACME (2026)
Coyote vs. ACME
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern (2026)
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Bad Apples (2026)
Bad Apples
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Oasis: Don't Look Back in Anger (2026)
Oasis: Don't Look Back in Anger
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaterland (2026)
Vaterland
Drama • 2026
prisma-Redaktion
That's Why the Lady Is A Champ (2025)
That's Why the Lady Is A Champ
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Das gewisse Etwas (2026)
Das gewisse Etwas
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Ende der Sterne (2026)
Das Ende der Sterne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos (2026)
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
One Night Only (2026)
One Night Only
Komödie • 2026
prisma-Redaktion