Einmal schlicht und seicht bitte: Die pittoreske Seniorenromanze mit grünem Fußabdruck und mechanisch agierenden Stars taugt immerhin als Mutmacher fürs Liebesglück im Alter.

Niemand kann den Machern von "Hampstead Park – Aussicht auf Liebe" vorwerfen, sie hätten es an frühen Warnungen fehlen lassen. Wenn im Vorspann die Namen der Kreativen über dem satten Grün der titelgebenden Londoner Idylle aufscheinen, ist bald schon ein frecher Papierdrache zur Stelle, der die Wortgebilde durcheinanderbringt und wegrieseln lässt: Das Programm heißt Zerstreuung. Dafür aber wartet der Film mit einer gehörigen Portion Trost und Zuspruch für alle diejenigen auf, deren Lebensbilanz nach den ersten 60 Jahren wider Erwarten alles andere als rosig aussieht: Einen Neuanfang zu versuchen, kann sich durchaus lohnen. Trotzdem hätte mehr Engagement von Diane Keaton und Brendan Gleason in den Hauptrollen gutgetan, und vielleicht hätte auch ein begabterer Regisseur und Drehbuchautor verpflichtet werden dürfen.

Verbittert und ängstlich

Die scheinbar wohlhabende Witwe bewohnt ein schickes Appartement gleich gegenüber dem Hampstead Park. Sie arbeitet in einem Sozialladen und hat furchtbar nette Freundinnen, die praktischerweise gleich ihre Nachbarinnen sind: Die äußere Fassade der meist gut gelaunten und freundlich zugewandten Emily Walters (Diane Keaton) ist gut poliert. Aber eigentlich ist sie verbittert und fürchtet sich. Denn ihr verstorbener Mann hat ihr nicht nur fotografische Erinnerungen an seine Affäre mit "einer kleinen Nutte" vermacht, sondern auch einen Haufen Schulden, den die Mittsechzigerin nicht bewältigen kann. Überdies dräut im Briefkasten Ungemach vom Finanzamt.

Emilys Sohn ist ihr bei diesen Problemen kaum eine Hilfe. Er rät ihr bloß, ihr altes Zeugs zu verkaufen. Beim Stöbern auf dem Dachboden stößt sie auf einen alten Feldstecher und entdeckt damit im Park einen halbnackten Mann (Brendan Gleeson) in ihrem Alter und im Wasser stehend, der offenbar in einer selbstgezimmerten Hütte wohnt. Unter dem Vorwand einer Anwohner-Befragung findet sie heraus, dass er Donald heißt, ein stolzer Obdachloser ist und unter rauer Schale wohl doch einen weichen Kern hat.

Das erste Dinner in seiner Bude mit rustikalem Charme und hohem Gemütlichkeitsfaktor endet mit gemischten Gefühlen. Aber ihre Belagerung durch einen aufdringlichen Steuerberater (Simon Callow) und seine drohende Vertreibung aus der grünen Idylle führen sie enger zusammen.

Wenn die schlanke Diane Keaton, selbst 71, hoch aufgerichtet auf dem Fahrrad in die Pedale tritt, wird klar: Wahrnehmungsverschiebungen in Bezug auf Alter sind längst im Gange. Glaubhaft kann Keaton auch als silberhaarige Emily Attraktivität verkörpern. Sie setzt damit die Linie ihrer Filme "Was das Herz begehrt", "Das grenzt an Liebe" und "Ruth & Alex – Verliebt in New York" fort. Aber mit dem wichtigen Unterschied, dass diesmal das bisherige Leben trotz Familiengründung keine rechte Freude gebracht hat. So ist die starke Botschaft von "Hampstead Park- Aussicht auf Liebe", dass nicht zuletzt dank höherer Lebenserwartung auch nach Trauer, Verlust und Enttäuschung eine zweite oder dritte Chance winken kann.

Schematisches und plattes Skript

An der Oberfläche droht die Seniorenromanze allerdings zum netten Nichts zu tendieren. Schuld daran sind ein schematisches und plattes Skript, Klischees aus der Rumpelkammer und eine grobschlächtige Inszenierung. Womöglich zeigen die Hauptdarsteller deshalb kaum mehr als ihr bekanntes Gesicht. Den neuen Möglichkeiten des Alters wird das nicht unbedingt gerecht.

Quelle: teleschau – der Mediendienst