1970 gründete der österreichische Aktionskünstler Otto Mühl (1925-2013) in seiner Wiener Wohnung eine Kommune, die durch ihre Radikalität über die Kunstszene hinaus Bekanntheit erlangte. 1972 erwarben die Kommunarden das letzte bewohnbare Haus eines verlassenen Gutshofes auf der Parndorfer Heide - den Friedrichshof. Dieser wurde innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten zum Zentrum eines internationalen Netzwerkes von über 20 Stadtgruppen ausgebaut. In den assoziierten Kommunen praktizierten zeitweise über 600 Menschen in halb Europa ein radikal-utopisches Leben nach den Prinzipen: "Selbstdarstellung, gemeinsames Eigentum, freie Sexualität ohne feste Paarbeziehungen, gemeinsame Arbeit und Produktion, kollektives Kinderaufwachsen und direkte Demokratie."

Regisseur Paul-Julien Robert wurde in der Kommune Friedrichshof geboren, denn seinerzeit gehörte seine Mutter zu deren Mitgliedern. Mit bisher unveröffentlichten Archivmaterial begibt sich Robert auf autobiografische Spurensuche und konfrontiert seine Mutter und sich selbst letztlich mit der alles entscheidenden Frage: Was ist Familie? Der gesamte Besitz der Kommunen-Bewegung von Otto Mühl wurde nach der Einleitung von gerichtlichen Voruntersuchungen gegen den Gründer und zunehmender Unzufriedenheit vieler Kommune-Mitglieder Ende der Achtzigerjahre in eine Genossenschaft eingebracht und 1990 löste sich das gemeinschaftliche Lebensexperiment auf. Mühl selbst wurde im Herbst 1991 wegen Unzucht mit Unmündigen zu sieben Jahren Haft verurteilt.