Gyllen (Fionn Whitehead, links) und William (Stéphane Bak) freunden sich auf dem Roadtrip miteinander an.
Mit "Roads" schafft Sebastian Schipper nach "Victoria" erneut ein moralinfreies Porträt junger Menschen.

Roads

KINOSTART: 30.05.2019 • Drama • DE / FR (2018) • 99 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Roads
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
DE / FR
Filmstudio
Infinity Media, Upturn Productions, Black Hanger Studios, Orwo Studios (US)
Laufzeit
99 Minuten
Regie
Sebastian Schipper, Alex Pettyfer
Music
John Hunter
Kamera
Jarin Blaschke, Bonnie Marquette

Filmkritik

Roadtrip durch die Festung Europa
von Maximilian Haase

"Victoria"-Regisseur Sebastian Schipper zeigt in "Roads" erneut die ambivalenten Lebenswelten junger Menschen. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdebatte zeichnet das wundervolle Roadmovie ein grenzüberschreitendes Porträt getriebener Teenager.

Was kann nach "Victoria" noch kommen? Nach jenem hochgelobten Meisterwerk, das in einem Take gedreht wurde und seinen fantastischen Darstellern alles abverlangte? Mit seinem rast- und atemlosen, mitreißenden filmischen Trip durchs Berliner Nachtleben schien Regisseur Sebastian Schipper bereits vor vier Jahren auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Heute, 20 Jahre nachdem der einstige Schauspieler mit "Absolute Giganten" sein Regiedebüt gab, gehört Schipper zur hiesigen Filmemacher-Exzellenz – mit entsprechenden Erwartungen an seine kommenden Werke.

Auch nach "Victoria" enttäuscht der 51-Jährige sie nicht. "Roads", Schippers fünfter Film, besitzt zwar nicht die Kraft des Vorgängers, Zuschauermünder automatisch herunterklappen zu lassen; nicht jenen Sog des bislang Ungesehenen. Doch gelingt es seinem charakterstarken und vor jugendlicher Leichtigkeit strotzenden Roadmovie, abermals einen unverstellten wie moralinfreien Blick auf das Leben junger Menschen freizulegen, wie ihn bereits "Victoria" etablierte. Die Herausforderung scheint sogar noch größer: Erzählt vor dem Hintergrund des Schicksals geflüchteter Menschen in Afrika, verbreitet "Roads" eine politische Botschaft, ohne eine solche jemals bewusst loszusenden.

Im Mittelpunkt des beiläufig humorvollen Films steht der 18-jährige Brite Gyllen, herausragend lapidar und teenagerhaft überschwänglich gespielt von Nachwuchsstar Fionn Whitehead, der zuletzt als junger Soldat in Christopher Nolans "Dunkirk" sowie im Netflix-Experiment "Black Mirror: Bandersnatch" begeisterte. Whitehead verleiht seinem Gyllen, der mit der Familie den Urlaub in Marokko verbringt, eine herrliche Rastlosigkeit und völlige Unvernunft, die darin mündet, dass er das Wohnmobil seines Stiefvaters stiehlt. Der junge Mann, dessen Charakter das Roadtrip-Drama fast im Alleingang stemmt, macht sich auf den Weg nach Frankreich, um dort nach seinem leiblichen Vater zu suchen.

Nach kurzer Zeit trifft Gyllen, der wie sein Darsteller Whitehead aus London stammt, auf den gleichaltrigen William (ebenfalls fantastisch: Stéphane Bak). Der junge Kongolese ist auch auf dem Weg nach Europa, er möchte dort nach seinem geflüchteten Bruder suchen. Wo nun jeder andere Film das schwierige Schicksal geflüchteter Menschen, zumal blutjunger Teenager, in den Mittelpunkt rücken würde, belässt Schipper das europäische Gewissen im Ungewissen. Gyllen und William sind einfach zwei aufgedrehte Jungs gleichen Alters, mögen sich, zanken sich, kiffen und reden über Fußball. Flucht ist zunächst nur am Rande Thema, auch William begreift sich nicht als Flüchtling.

Ausblenden können die beiden Teenager die bittere Realität jedoch nicht, schließlich steht dem gemeinsamen Roadtrip die gnadenlose "Festung Europa" im Weg. Doch angstfreie jugendliche Cleverness zahlt sich (zumindest zunächst) aus: Mit der Hilfe eines deutschen Alt-Hippies, dem Moritz Bleibtreu einen bizarr-verpeilten und "Lammbock"-würdigen Auftritt verschafft, gelangen sie über die Grenze nach Spanien – plötzlich scheint der Weg nach Frankreich frei. Wäre da nicht die böse und restriktive Welt drumherum: Der Hippie entpuppt sich als fieser Typ, Gyllens Eltern finden den Trip überhaupt nicht witzig, Franzosen können rassistisch sein, und das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge wie William kann das herzzerreißend naive Duo spätestens nach der Ankunft im Flüchtlingslager von Calais nicht mehr ausblenden.

Wie die Welt sein könnte, samt herkunftsunabhängiger Bewegungsfreiheit und bedingungsloser gegenseitiger Solidarität, zeigt Schipper im jugendlichen Idealismus und in der mutigen Abenteuerlustigkeit zweier hoch sympathischer Hauptfiguren. Sein Film ähnelt darin der Herrndorf-Verfilmung "Tschick". Der Glaube an das Schöne, Wahre, Gute, an die tatsächliche Gleichheit und Freiheit aller, wird in "Roads" angenehm zeigefingerlos zelebriert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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