Ein Tatort wie ein Duell. Archaisch, brutal, tödlich. Zwei Männer im Kampf um alles, was sie ausmacht: Frau und Kinder, die Urgemeinschaft, welche sie jeder für sich mit Zähnen und Klauen zu verteidigen suchen. Die Waffe, mit der die Tat verübt wird, passt in dieses Bild, ein Felsstein wie aus biblischer Zeit. Mit ihm wird Amina, gerade erst 14, erschlagen. Warum? Die Luzerner Ermittler Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) schleichen auf Katzenpfoten in diesen Mord, voller Skrupel und aus Rücksicht auf die trauernden Eltern. Kindstod und komplizierte Patchwork-Verhältnisse – so richtig stören möchten die Ermittler zunächst nicht.

Die größte Aufmerksamkeit zieht Kaspar (Marcus Signer) auf sich, einer der beiden Kontrahenten. Er hat nach ­Drogen und Knast seine Frau und seine zwei Töchter an den frömmelnden Christenmenschen Beat (Oliver Bürgin) verloren. Das verkraftet er nicht. Macht ihn das zum Mörder? Wer hat das Opfer geschwängert? Zu welchem Mann hält die Mutter, zum leiblichen oder zum fürsorgenden Vater? ­ Sarah Spale spielt diese Frau auf eine zurückhaltende, beinahe unterdramatische Weise, die ihren Zwiespalt zwischen Vernunft und Gefühl umso stärker zum Erleben bringt. Ein starker Tatort mit vielen gut beobachteten Milieus (Regie Tobias Ineichen). dh

Foto: SWR/Daniel Winkler