Wenn Jan Josef Liefers alias Professor Boerne anfängt, seine Assistentin Alberich bei ihrem richtigen Namen zu nennen, Frau Haller, dann stimmt was nicht. Dann haben sich die Fundamente in Münster verschoben. Bisher beruhten sie darauf, dass Boerne den Betriebsschnösel gab, der Alberich mit allen Wonnen der Arroganz zu triezen beliebte. Auch Kommissar Thiel (Axel Prahl) bekam die Boerne'schen Selbstüberhebungen zu spüren. Der Professor als Kultur- und Genussmensch, der vom Bildungshügel herabsteigt. Thiel dagegen ist Biertrinker, mit einer ins 21. Jahrhundert gewendeten Schimanskijacke. Diesmal aber, alles anders. Boerne weiß von nichts und muss Demut tragen. Thiel weiß auch nicht mehr so genau, was passiert ist, und schämt sich übertrieben. Nichts los in Münster.

Die Fetzen fliegen nicht mehr zwischen Etepetete Boerne und Proll Thiel. In "Die chinesische Prinzessin" schmeißt sich Boerne an die Künstlerin Songma heran, was in Kokain-Kater, Gedächtnisverlust und andere Dreibarstigkeiten mündet, darunter Mord. Derweil verbringt Thiel eine besoffene Nacht mit Assistentin Nadeshda in unziemlicher Intimität. Glaubt er. Ach Gottchen, denkt Nadeshda und lacht sich schlapp. Es folgen Räuberpistolen, wie sie sonst im Vorabendprogramm über die Hafenkante plumpsen: Chinesischer Geheimdienst, willfährige Diplomatie, lebendige und tote Triadenmenschen, Boerne in Gefängniskluft, eine Alcatraz-Szene in U-Haft. Das alles derart daneben, dass Thiel die Backen aufblasen und der tumben Story ein Alibi verschaffen muss: "Aber doch nicht hier bei uns in Münster!" Detlef Hartlap

Foto: WDR/Thomas Kost