Es geht auch still. Dieser Berliner Tatort ist frei von Action-­Szenen, aber spannend wie kaum einer. Ein Vernehmungsraum als zentraler Schauplatz, eingefangen aus zwei Kamera-Perspektiven, die ihrerseits nichts als Gefangene ­zeigen. Da sind Dominic Raacke und ­Boris Aljinovic, die Ermittler. Sie stellen immer und immer wieder dieselben Fragen: "Haben Sie Benjamin getötet?" – "Wo ist Benjamin jetzt?" Sie bleiben gefangen in ihrer Machtlosigkeit, solange derjenige, der ihnen ­gegenübersitzt, schweigt.

Edgar Selge ist es, der den Schweiger gibt, auch er ein Gefangener. ­Eine zu Beton gewordene Wirrnis aus Gedanken und Gefühlen lässt ihm keinen Spielraum. Er hat den kleinen Benjamin, Sohn eines Bankiers, entführt, daraus macht er keinen Hehl. Aber was will er? Sich für vergangenes Unrecht rächen? Ein ­Zeichen setzen gegen eine verdorbene Welt? Aus der geschlossenen Atmosphäre der Vernehmungen und der Litanei der Fragen entsteht ein Sog, dem niemand entkommt. Der Tatort als Kammerspiel. Spannung, die aus dem Innern wächst. Edgar Selge war nie besser. Lena Stolze als Mutter von Benjamin möchte man tröstend in den Arm nehmen. Detlef Hartlap

Foto: RBB/Hardy Spitz