Sebastian Bootz (Felix Klare, M.) arbeitet
undercover als Chauffeur und Leibwächter bei dem
Fabrikanten Otto Imberger (Otto Mellies, r.)

Tatort

KINOSTART: 25.05.2012 • Krimi • Deutschland (2012) • 150 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Tatort Gutfleischstraße
Produktionsdatum
2012
Produktionsland
Deutschland
Laufzeit
150 Minuten

Ein Mordanschlag ausgerechnet auf einem Friedhof: Unternehmer Otto Imberger entgeht dem Anschlag eines Unbekannten knapp, sein Chauffeur Marco Hummel aber wird von einer der Kugeln tödlich getroffen. Thorsten Lannert stellt bei seinen Ermittlungen fest, dass ein innerfamiliärer Machtkampf um die künftige Ausrichtung der Firma im Gange ist. Um den Patriarchen vor neuen Anschlägen schützen und gleichzeitig innerhalb der Familie ermitteln zu können, schleust Staatsanwältin Álvarez Hauptkommissar Bootz als Chauffeur und Bodyguard bei Otto Imberger ein. Während er undercover das äußerst gespannte Verhältnis der beiden Söhne Gerald und Lukas Imberger durchleuchtet, untersucht Thorsten Lannert das Umfeld der Firma. Verdächtig ist vor allem der ehemalige Produktionsleiter Rudolf Bischoff, der mit seiner Entlassung nicht fertig wird. Der Verdacht scheint sich zu bestätigen, als Bischoff Otto Imberger mit einem Gewehr bedroht ...

Man kennt das Prinzip aus sogenannten Star-Promotion-Filmen wie "Ocean's Eleven" usw. Der schlichte Handlungsfaden dient kaum mehr als zum Vorwand, die Gesichter der Darsteller in all ihrer Faszination in Großaufnahme zu zeigen, immer und immer ­wieder. Mit bestenfalls leicht angedeuteten Mimik-Varianten. Bei Brad Pitt und George Clooney funktioniert das natürlich hervorragend, sie sind schön genug. Das Gesicht der Hauptdarsteller als Projektionsfläche, in die der Zuschauer hineindenken kann was er will, ist auch dem Tatort nicht fremd. In der Stuttgarter Folge "Scherbenhaufen" wird die Methode auf die Spitze getrieben. Besonders der mit einem Maximum an innerer Zurücknahme ermittelnde Richy Müller darf sich in der Kunst des zu enträtselnden Pokerface-Auftritts üben, immer wieder. Und dann verfügt das Stuttgarter Tatort-Ensemble ja auch noch über ein Gesicht, das, weil es ein so schönes Bild abgibt, gern einmal mehr als nötig ins Bild gerückt wird: Carolina Vera. Als Staatsanwältin Emilia Álvarez darf sie für sich in Anspruch nehmen, die schönste und best­angezogenste ihres Fachs im Fernsehen zu sein. Zwar hält sich ihr Part bei der Aufklärung der jeweiligen Fälle in Grenzen, doch bleiben die stets modisch adretten Vera-Auftritte ein Muss. Am Sonntag nun mündet diese Präsenzpflicht in ­eine der unsinnigsten Passagen, die je im Tatort gezeigt wurden. Die Staatsanwältin, ausgerechnet, kommt auf die Räuber-und-Gendarm-Idee, einen Kriminalbeamten als Chauffeur in eine dubiose ­Fabrikantenfamilie einzuschleusen. Stuttgart undercover. Da hilft es auch nicht, dass die Polizei, in ihrer Gesamtheit vertreten durch Richy Müller, den Unsinn ablehnt. Sein Kollege Felix ­Klare ist nur zu bereit, den Job zu übernehmen. In solchen Augenblicken lässt der Tatort eine seiner hauptsächlichen Quellen sprudeln – die des Groschenromans. Und auch sonst erinnert viel an die bunten Heftchen vom Kiosk: Der Fabrikantensenior tappert gramgebeugt von Schuss zu Schuss; seine erbenden Söhne lieben sich bis aufs Blut; die treueste Seele im Betrieb wird nach 35 Jahren entlassen und bringt sich um. Ein Ferrari liefert starke Verdachtsmomente, die Chinesen warten investitionsbereit vor der Tür, und ohne Indus­triespionage überlebt heutzutage kein Betrieb. So isses! dh

Foto: SWR/Stephanie Schweigert

Darsteller

Carolina Vera lächelt in die Kamera. Trägt weiße Bluse. Haare geöffnet und liegt zur Seite.
Carolina Vera
Der Neue in der "Nachtschicht": Christoph
Letkowski als Yannick Kruse
Christoph Letkowski
Felix Eitner
Felix Klare schaut in die Kamera. Trägt weißes Hemd mit Jacke drüber.
Felix Klare
Maja Schöne in "Der Brand"
Maja Schöne
Miranda Leonhardt in ihrer Dauerrolle als
Kriminaltechnikerin Nika Banovic im Stuttgarter
"Tatort"
Miranda Leonhardt
Ein Gesicht, das man sich merken sollte: Ole Puppe
Ole Puppe
Richy Müller
Ulrike C. Tscharre als femme fatale in "Lösegeld"
Ulrike C. Tscharre

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