Zeugenbefragungen sind das kleine Einmaleins des Fernseh-Tatorts. Sie dienen als Guckloch. Der Zuschauer darf für ein paar Momente in eine fremde Wohnwelt blicken: Wohnen die Leute noch, oder sind sie schon tot? Auf unserem Foto haben sich die Stuttgarter ­Kripo-Darsteller Felix Klare und Richy Müller zu Frau Saraswati ­begeben. Sie betreibt eine kleine ­ostindische Enklave im Schwabenland und bietet demzufolge immerzu Tee an. Außerdem unterstützt sie eine rabiate ­Umweltschutz­organisation, welche eines ihrer Mitglieder verloren hat. Vordergründig durch einen Schuss aus einer Luftpistole. Doch erweist sich das Opfer als heftigst schwermetallvergiftet. Er wäre ohnehin bald gestorben. Wie zieht man sich eine solche Vergiftung zu?

Die Beantwortung dieser Frage hätte durchaus spannend werden können. Doch lebt ein Krimi nicht nur von einer interessanten Einstiegskonstellation, sondern vom Drive, mit dem die Ermittlungen vorangetrieben werden und auch – das mag jetzt paradox klingen – von der Würde des Mörders. Heißt, das sollte jemand sein, dessen Tat (aus Niedertracht, Gier, Eifersucht etc.) eine gewisse Fallhöhe aufweist und den Zuschauer betroffen macht. In dieser Hinsicht bleibt der Stuttgarter Tatort so flach, wie es sein Titel "Tote Erde" besagt. Immerhin, einige witzige Einzelauftritte, die wie Revuenummern aufgereiht sind, entschädigen für den dünnen Tee. Natalia Wörner als taumelnd verliebte und munter ­schwäbelnde Staatsanwältin ist ­allein das Zuschauen wert. dh

Foto: SWR/Alexander Kluge