Maria Furtwängler legt in ihrer Eigenschaft als Kommissarin Lindholm eine Tugend an den Tag, die man größtmögliche Zurückgenommenheit nennen möchte. Wie sie in Anbetracht einer Mädchenleiche, die auf der Müllkippe gefunden wird, ihr Team zur Arbeit anspornt oder im Angesicht eines zweiten übelst zugerichteten Mädchens die Beherrschung wahrt, das ist durchaus wohltuend. Tatort-Kommissare neigen ansonsten eher zum Ausflippen. Es geht um junge Frauen, fast Kinder noch, aus Polen und Weißrussland, die, für Geld und gute Worte in den Westen gelotst, einer zahlenden männlichen Kundschaft dienstbar gemacht werden.

Oft zur einmaligen Verwendung, "Wegwerfmädchen", wie es der Titel dieser Folge besagt. Dass dem so ist, weiß man, es handelt sich um ein Stück gesellschaftlicher Abscheulichkeit. "So viel Kernseife gibt es gar nicht", behauptet Stefan Dähnert, der Autor dieses Tatorts, "um den Schmutz dieser Recherchen abzuwaschen". Da fragt man sich doch, wo er sich die Finger schmutzig gemacht haben will. Beim Lesen von Büchern, Polizeiberichten, ­Illus­trierten­artikeln? Die Abläufe des Menschenhandels, die angeblich kenntlich gemacht werden, ­dienen eher der Ergötzung und münden in Knallchargen-Darbietungen von Bernhard Schir, Michael Mendl und Robert Gallinowski. Ansonsten ist dies ein geklauter Tatort. Kubricks "Eyes Wide Shut" wird zitiert, "Tage wie dieser" mit Michelle Pfeiffer, "Miller's Crossing" der Brüder Joel und Ethan Con, selbst vor "Jules und Jim" macht dieses Machwerk nicht halt. Tatort - Das goldene Band folgt. Mal sehen, welche Filme dann geplündert werden. Detlef Hartlap