Ein Strand an der Atlantikküste von Florida. Hier schlüpft die kleine Meeresschildkröte aus ihrem Ei. Und wenn sie dann den rettenden Lebensraum, den Ozean erreicht, ist dies der Beginn einer langen Reise. Seit über 200 Millionen Jahren ist es dieselbe Route, die schon ihre Vorfahren bewältigt haben. Dem Golfstrom folgend schwimmt sie Richtung Arktis, durchquert den Nordatlantik bis nach Afrika, um dann wieder nach Florida zurück zu kehren. Doch nur eine von geschätzten 10000 Meeresschildkröten überlebt die gefährliche Reise und legt schließlich an dem Strand, an dem sie geboren wurde, ihre eigenen Eier ab.

Es ist immer wieder ein faszinierendes Schauspiel, wenn in wenigen Nächten tausende von Schildkröten ihre Eier ablegen. Der britische Filmemacher Nick Stringer, der sich mit seinen BBC-Dokumentationen einen Namen machte, schildert in seinem farbenprächtigen Kinodebüt die Odyssee einer Meeresschildkröte. Putzig sehen sie aus, wenn sie mit kräftigen Bewegungen ihrer Flossen über den Strand wuseln. Aber nur ein Junges von 1000, so schätzt man, wird eines Tages zu einer ausgewachsenen Meeresschildkröte heran gereift sein. Welch innerer Kompass diese Rückkehr an den Heimatstrand steuert, ist noch immer nicht erforscht. Allerdings klammert Stringer eine Tatsache vollkommen aus: Was passiert, wenn der Heimatstrand alles andere als ein guter Niststrand ist? Wenn womöglich tierische Nestplünderer nachts auf die sanften Riesen warten, die Eier ausgraben oder sich die geschlüpften Babys schnappen? Das kommt nicht vor in diesem kindgerechten, weich gezeichneten Werk. Zwar entschädigen die fabelhaften Naturaufnahmen des renommierten Unterwasser-Kameramannes Rory McGuinness, doch der zuckersüße, von Hannelore Elster gesprochene Kommentar und die Bombast-Musik von Henning Lohner ("Der große Bagarozy", "666 - Trau keinem, mit dem du schläfst", "Kleiner Dodo") nerven auf Dauer gewaltig.

Foto: Polyband (Fox)