Ordnung ist das halbe Leben, heißt es so schön in Volkes Mund, denn Ordnung spielt ein große Rolle im Berufs- und Familienleben, aber auch in Gesellschaften und Staaten. Ohne eine anerkannte Ordnung würde das Chaos regieren. Und Ordnung ist noch viel mehr: ein ganzer Kosmos, in dem sortiert und systematisiert wird. So glaubte etwa der Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald (1853-1932), Phänomene dadurch bannen zu können, dass er sie fein säuberlich auf Karteikarten verzeichnen ließ. Das von ihm "Die Brücke" getaufte Münchner Forschungsinstitut wurde dem ehrgeizigen Plan einer "Welt-Registratur", in der das gesamte bekannte Wissen katalogisiert und organisiert werden sollte, allerdings nur in einem Bereich gerecht: Als das Unternehmen 1914 Pleite ging, fand man nicht viel mehr als eine vollständige Sammlung von Ansichtskarten der bayrischen Kleinstadt Ansbach ...

Nur eines von vielen skurrilen Geschichten, die das Regieduo Jörg Haaßengier und Jürgen Brügger ("Ausfahrt Eden") in seinem Dokumentarfilm um die Ordnung der Dinge präsentiert. So gibt es etwa auch Menschen, die sich der Erstellung von unendlichen Listen verschrieben haben, die eigene Regelwerke entwerfen, um Systeme mit zahllos vielen Elementen zu generieren. Ausufernde Statistiken verhandeln die absonderlichsten Phänomene in einer kaum fassbaren Akribie, riesige Sammlungen werden nach Aspekten sortiert, die den Zuschauer staunen lassen. Dabei reicht die Spannweite von Amateuren, die Systeme in Eigenregie entwerfen, bis hin zu staatlichen Großprojekten mit hoch spezialisierten Experten. So unterschiedlich das Ordnen auch daher kommen mag: Alle Projekte können durch ihren hohen Anspruch an sich selbst im Grunde nie zum Ende kommen.

Foto: Movienet (24 Bilder)