Hans (Justus von Dohnányi) lebt ein beschauliches, ruhiges Leben. Er arbeitet bei einem Papierproduzenten, kein aufregender Job, aber Hans "mag Papier". Auch sein Privatleben funktionert soweit ganz gut, mit Frau Yvonne (Juliane Köhler) und der pubertierenden Tochter Laura (Ricarda Viola Zimmerer) wohnt er in einem gemütlichen, wenn auch etwas spießigen Einfamilienhaus bei München. Alles soweit in Ordnung also, der nicht mehr neue, aber praktische Volvo läuft auch, bis Hans eines Tages zu seinem Chef gerufen wird. Seit "die Finnen" die Papierfabrik übernommen haben, wird umstrukturiert, Hans habe ja auch nie nach einer Gehaltserhöhung gefragt, ein Karrieretyp ist er nun wirklich nicht, und so wird er von einem Tag auf den anderen Opfer der Umstrukturierung und entlassen.

Während der Familienvater sich nun überlegt, wie er den Schicksalsschlag Frau und Tochter beibringt, ereilt die beiden auch ein Schicksalsschlag, allerdings ein positiver. Denn eines nachts sitzt plötzlich ein schwarz-weißer Mischling vor der Tür, den Yvonne und Laura sogleich ins Herz schließen und den Laura nach Kurt Cobain kurzerhand "Kurt" tauft. Während Laura zwar eigentlich mehr mit ihrem ersten Freund Fabi (Ben Cervilla Fischer) zu tun hat, blüht Yvonne regelrecht auf durch den Familienzuwachs. Doch der Hund, er bringt Chaos in die Familie. Und so beschließt Hans: Der Hund muss weg.

Mike bringt die entscheidende Wendung

Denn Hans kommt, bei all dem Trubel, den Kurt verursacht, ganz schlicht nicht dazu, seiner Familie seine Entlassung zu beichten. Als er dann noch eine Abfindung aushandelt und, als männlichen Hundeersatz quasi, ein teures Cabriolet kauft, nehmen die schlingernden Ereignisse Kurs auf die Katastrophe.

Regisseur und Drehbuchautor Sebastian Stern hat mit "Der Hund begraben" eine schwarze Komödie geschaffen, die auf den ersten Blick alles andere als neu wirkt. Diese Geschichte des Ehemannes, der seiner Familie etwas beichten will, aber einfach nicht dazu kommt, man hat sie schon allzu oft gesehen. Doch es gibt so ein paar Elemente in diesem Film, die daraus dennoch einen äußerst sehenswerten Streifen machen. Allen voran sind das Justus von Dohnányi, Juliane Köhler und Ricarda Viola Zimmerer, die dieser Familie so viel liebenswertes, aber auch alltagsnahes Leben einhauchen. Doch auch und vor allem Georg Friedrich als "Mike", einen leicht abstrusen, abgehalfterten Fremden, über dessen zentrale Rolle hier gar nicht viel verraten werden soll, der aber nicht nur dem Familienleben, sondern auch dem Fall um Kurt eine entscheidende Wendung beibringt.

Gnadenlos bodenständig

Darüber hinaus hat Sebastian Stern nicht nur Hans Firma von Finnen übernehmen lassen, sondern auch diesem Film etwas durchaus finnisches mitgegeben, vom Setting, das in manchen Momenten durchaus an Kaurismäki denken lässt, über die Charaktere, die so gnadenlos bodenständig und normal sind, dass die Abstrusitäten, die ihnen passieren, erst recht ihre Wirkung entfalten können, bis hin zum Setting, das so herrliche Einfälle wie einen Tango im Autohaus beinhaltet. Irgendwie ja auch finnisch, auch wenn hier die argentinische Variante getanzt wird.

Vor allem aber hat Stern sein Drehbuch ganz wunderbar angelegt und seinem Film im richtigen Moment die richtige Portion Pausen verordnet, damit er, in anderen Momenten, wieder Fahrt aufnehmen kann. Und das tut er, gerade dann, wenn man meint, er habe sich verkalkuliert und einfach nur eine nette Familienkomödie gedreht, bekommt "Der Hund begraben" noch mal einen kräftigen, düsterschwarzen Schubser, der aus dem bis dahin humorvoll hintersinnigen Film ein sarkastisches Drama macht, mit einer ganz schlicht gelungenen Pointe.