Mick Brisgau (Henning Baum) weiß, wie man Frauen besucht. Nur leider hat seine Ex nach 25 Jahren einen Neuen.
Mit derselben "Leck-mich-Attitüde" wie in der SAT.1-Serie nimmt "Der letzte Bulle" jetzt auch die Kinos auseinander.

Der letzte Bulle

KINOSTART: 07.11.2019 • Komödie • D (2019) • 100 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Der Letzte Bulle
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Filmstudio
ITV Studios Germany, Warner Bros. Entertainment Germany, Westside Filmproduktion, SevenPictures Film
Laufzeit
100 Minuten
Regie
Peter Thorwarth
Music
Hendrik Nölle, Moritz Busch
Kamera
Christian Stangassinger

Filmkritik

Ruhig mal locker bleiben
von Andreas Fischer

In der zum Kinofilm gewordene SAT.1-Serie "Der letzte Bulle" darf ein robustes Relikt aus der Vergangenheit wieder Machosprüche klopfen. Und das ist ganz gut so.

Also. Da fährt ein Mann seine "Olle" mit Geburtswehen ins Krankenhaus. Ein paar Minuten später steht er mit Bier in der Hand bei Uschi in seiner Stammkneipe und erzählt seinen Kumpels, er habe alles gegeben. Sein Kind wird trotzdem ein Mädchen. Noch ein paar Minuten später wollen die angetrunkenen Männer, alles Polizisten, einen Drogenring ausheben. Der Mann, der gerade Vater geworden ist, kriegt eine Kugel in den Kopf. 25 Jahre später wacht er aus dem Koma auf und ist "Der letzte Bulle". Machosprüche kann er immer noch, nur kommen die nicht mehr so gut an im Jahr 2019. Nicht mal in Essen.

Henning Baum ist zurück, und zwar größer und cooler: Im zum Kinofilm gewordenen Serienhit von SAT.1 – zwischen 2010 und 2014 wurden fünf Staffeln produziert – spielt Baum wieder das blonde Raubein Mick Brisgau. Der Ruhrpott-Cop kommt nach langer Abwesenheit aus der Vergangenheit zurück und will in einer Gegenwart voller Smartphones und psychologisch subtiler Ermittlungsmethoden eigentlich gar nicht ankommen. Er muss es aber, weil er erstens keine Wahl hat, zweitens zum YouTube-Star wird, ohne zu wissen, was das eigentlich ist, und ihn drittens eine Titanplatte im Kopf daran erinnert, dass er noch eine alte Rechnung begleichen muss.

Statt einer Fortsetzung ist die Kinoversion von "Der letzte Bulle" eine leichte Variation der ursprünglichen Geschichte und angepasst ans Jahr 2019 – mit bekannten Darstellern (Tatjana Clasing, Maximilian Grill) und Figuren aus der Serie. Sie alle lassen es noch einmal richtig krachen in einer rasanten Mischung aus "Kill Bill", "Rocky" und "Schimanski" mit 90er-Jahre-Sprüchen, Ruhrpottslang, Slapstick, komischen Typen und einer fetten Schießerei in einem Puff.

Inszeniert wurde "Der letzte Bulle" von Peter Thorwarth, von wem auch sonst. Der Regisseur der "Unna-Trilogie" ("Bang Boom Bang", "Was nicht passt, wird passend gemacht", "Goldene Zeiten") hat den Pott im Blut. Thorwarth, geboren in Unna, kennt die Befindlichkeiten zwischen Dortmund und Duisburg, er weiß, wie die Leute ticken und was sie tun und sagen werden, auch wenn sie es lieber nicht sollten, weil sich die Zeiten geändert haben.

Polizist Brisgau mag so seine Probleme mit Konsum und Kommunikationstechnik, mit Segways und E-Rollern, mit Smartphones und Navigationssystemen haben. Was ihn wirklich wurmt, ist etwas anderes. Nämlich dass sich niemand mehr die Mühe macht, Verständnis für andere Lebensentwürfe aufzubringen. Durch die Augen des letzten Bullen lässt sich ganz vortrefflich entdecken, was wir alles aufgegeben haben in einer überregulierten Welt. Locker bleiben ist nicht mehr, alles läuft nach Plan. Die Kontrolle verlieren wir trotzdem. Wirklich besser macht uns die wahnhafte Selbstoptimierung nämlich nicht, was der letzte Bulle auch immer mal feststellt, wenn er mit den vermeintlich so toleranten Neuzeitmenschen zu tun hat. Die mögen sich gewählter ausdrücken, den Rassismus zum Beispiel haben sie dennoch im Blut. Mick hingegen trifft zwar nicht immer den richtigen Ton, hat aber das Herz am rechten Fleck und weiß, dass es egal ist, ob einer ein "Ölauge" oder eine "Brillenschlange" ist. Für ihn gibt es nur Arschloch oder nicht Arschloch.

Die Unterscheidung fällt Brisgau nicht leicht. Durch Verrat und Korruption in den eigenen Reihen landet er im Knast, wird aber vom Neuen seiner Ex rausgeholt. Der ist zwar ein ziemlich geschniegelter moderner Mann, aber trotzdem ein guter Ermittler. Am Ende raufen sich alle irgendwie zusammen, Mick wird zum "Terminator", bringt einen "Ich habe noch Tinte im Füller"-Spruch, und man geht mit der Gewissheit aus dem Kino, knapp zwei Stunden locker gewesen sein zu dürfen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Christian Kahrmann
Der Neue in der "Nachtschicht": Christoph
Letkowski als Yannick Kruse
Christoph Letkowski
Henning Baum
Lucas Gregorowicz
Ralph Herforth lacht in die Kamera. Trägt graues Oberteil.
Ralph Herforth
Sonsee Neu
Der deutsche Comedian Chris Tall.
Chris Tall
Weitere Darsteller
Maximilian Grill Leonie Brill Florence Kasumba Ralf Moeller Oliver Fleischer Erdal Yıldız Tatjana Clasing Helmfried von Lüttichau Blerim Destani Daniela Lebang Nele Kiper Panagiota Dimareli Peter Thorwarth Ralf Richter Daniele Rizzo

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