"Eine Brise Sommerluft und schon strahlt das Gemüt." Es ist erfrischend, Devid Striesow als Hauptkommissar Stellbrink zu erleben. Ein Mensch, der in seiner Arbeit aufgeht, ohne darüber zu verbittern. Wohltuend sein stets höfliches Auftreten. Der perfekte Anti-Til-Schweiger. "Ich möchte Sie was fragen, es dauert auch nicht lange", geht Striesow einen verdächtigen Rocker-Bandenchef an, der "Mutti" genannt wird.

Tatort - Melinda der neuen Saarbrücker Besetzung, die vor allem aus Striesow besteht, war starker Tobak für die Brigaden von Tatort-Ernstguckern. Dabei hatte sich Regisseur Hannu Salonen, der dem Krimi-Genre gern eine a) poetische und b) trockenhumorige Note verleiht, nur einen Jux machen wollen, einen guten: Wie sieht es aus, wenn ein reiner Tor wie Parsifal in die abgelatschten Tatort-Schuhe tritt? Wenn ein Held nach Art des naiven Simplicissimus Teutsch, immerhin eine Urgestalt der deutschen Literatur, Drogendealern auf den Zahn fühlt? Dank Striesow funktioniert es. Diesmal lernen wir, dass eine Beinprothese zum Schnapsständer taugt, die Staatsanwältin ne dumme Kuh ist und dass die Kampftechnik Nan Quan (eine Spezialität Salo­nens) tödlich sein kann. Am Ende kann sich "Mutti" ein Grinsen nicht verkneifen. Detlef Hartlap

Foto: SR/Manuela Meyer