Der sechste Film der "Terminator"-Reihe ignoriert die direkten Vorgänger und setzt James Camerons zweiten Teil aus dem Jahr 1991 fort. Er kehrt damit zurück zu den Wurzeln und bereitet den Boden für eine Zukunft ohne Arnold Schwarzenegger.

Gleich zu Beginn von "Terminator: Dark Fate" sieht man ein Video von Sarah Connor, das man bereits aus "Terminator 2" kennt. Es zeigt sie im Gespräch mit einem Psychiater, der ihre Geschichte vom kommenden Ende der Welt für Wahnsinn hält. Aber Sarah Connor hatte Recht – und sie hat den Tag der Abrechnung verhindert. Die düstere Zukunft, in der die Maschinen den Menschen den Garaus machen, ist nie gekommen. Die Menschen lebten weiter, wie sie es immer taten. Aber sie haben nichts dazugelernt. Denn die Zukunft ist nicht weniger düster als jene, die Sarah Connor zu verhindern versuchte.

Im Jahr 2020 taucht ein Terminator aus der Zukunft des Jahres 2042 auf. Er ist hinter der Mexikanerin Dani (Natalia Reyes) her, während die ebenfalls aus der Zukunft stammende Soldatin Grace (Mackenzie Davis), die dank technischer Modifizierungen stärker als ein Mensch ist, sie beschützen soll. Mittendrin: Sarah Connor (Linda Hamilton), von der Grace noch nie im Leben gehört hat, die aber seit Jahr und Tag Terminators jagt und den beiden Frauen nun hilft.

"Terminator: Dark Fate" ist der mittlerweile sechste Film der Reihe, knüpft aber inhaltlich direkt an "Terminator 2" an, James Camerons Meisterwerk aus dem Jahr 1991. Die Filme, die in den Jahren danach produziert wurde, ignoriert "Dark Fate". Cameron hat den Film produziert und am Drehbuch mitgeschrieben, die Regie aber in die Hände von Tim Miller ("Deadpool") gelegt. "Dark Fate", sagte Cameron einmal, sei der letzte Film der Reihe; später dann erklärte er, er sei der Ausgangspunkt einer neuen Trilogie. Beides ist richtig. Denn "Dark Fate", zugleich Endpunkt und Neubeginn, schließt die erste "Terminator"-Trilogie ab; sollte der Film an den Kinokassen aber genug einspielen, könnte er gleichzeitig eine neue Reihe begründen.

Grundstein für die Zukunft

Denn der Film mischt die Karten neu. Zwar erzählt "Dark Fate" im Kern die altbekannte Geschichte von einem Terminator, der auf der Erde sein Opfer jagt, und einem Krieger aus der Zukunft, der diese Person schützen muss. Aber die Umstände haben sich geändert. Alles, was bisher als sicher galt, ist es nun nicht mehr. Mit diesem Umstand spielt der Film gekonnt, weil er damit auch das Fundament für etwas legt, das lange fast undenkbar schien: ein "Terminator"-Film ohne Arnold Schwarzenegger. In "Dark Fate" ist der 72-Jährige noch dabei, auch wenn seine Figur erst zur Hälfte etwa in Erscheinung tritt, aber durch die Veränderungen der Parameter ist er zugleich auch der Letzte seiner Art.

"Terminator: Dark Fate" bietet Action auf ganz hohem Niveau, fast von der ersten Minute an. Schnell werden die Figuren eingeführt und dann immer in Bewegung gehalten – die Welt des Jahres 2020 ist eine gänzlich andere, in der die Technologie um uns herum ein Verstecken fast unmöglich macht. Die Art, wie die Action inszeniert ist, erinnert an James Cameron; Regisseur Tim Miller bringt aber seinen eigenen, frenetischen Stil ein und sorgt für einige Szenen mit echtem Wow-Faktor.

Ein neuer Terminator

Der Terminator wird dabei neu erfunden. Gabriel Luna ("Agents of S.H.I.E.L.D.") ist ein asketischer, durchtrainierter Typ, nicht unähnlich Robert Patrick in "Terminator 2". Auch seine Terminator-Form erinnert an diesen Film. Aber er besteht nicht nur aus flüssigem Metall, in ihm steckt auch ein loslösbares Endoskelett, wie man es aus den bisherigen Filmen kennt – nur in modifizierter Form. Das erlaubt eine ganz andere Art von Action, weil die fliehenden Helden in Schlüsselmomenten nicht nur einem, sondern zwei Angreifern gegenüberstehen, was gerade bei Nahkampfszenen besonders gut zur Geltung kommt.

Arnold Schwarzenegger liefert eine furiose Abschiedsvorstellung mit einem Terminator ab, der anders und doch vertraut ist. Und Mackenzie Davis reißt gerade in Actionszenen den Film an sich. Die aus der Serie "Halt and Catch Fire" bekannte Schauspielerin empfiehlt sich hier ganz klar für Größeres. Während Schwarzeneggers Rolle vergleichsweise klein ist, ist die von Linda Hamilton, die erstmals seit dem Jahr 1991 wieder in die Rolle der Sarah Connor schlüpft, deutlich größer. Sie sieht in Dani die Frau, die sie selbst einmal war: jemand, der verängstigt ist und über sich selbst hinauswachsen muss. Das ist ein cleverer Schachzug, weil er illustriert, dass hier eine Geschichte endet und eine andere beginnt.

"Terminator: Dark Fate" hat die Herausforderung gemeistert, einerseits alte Recken noch einmal zu feiern, andererseits alles für die nächste Generation vorzubereiten. "Dark Fate" ist für die "Terminator"-Reihe, was "Das Erwachen der Macht" für "Star Wars" war.

Quelle: teleschau – der Mediendienst