Im Herbst 2016 kam bei einem Flugzeugabsturz fast eine gesamte Fußballmannschaft ums Leben. "Unser Team – Nossa Chape" erzählt meisterhaft von dieser Katastrophe.

Man muss schon einiges aushalten, wenn man diese Dokumentation über den brasilianischen Fußballverein Chapecoense sieht. In "Unser Team – Nossa Chape" geht es um Verlust – Verlust in einer unglaublichen Dimension. Doch die Regisseure Jeff und Michael Zimbalist dokumentieren hier mehr als jene Katastrophe, als im November 2016 das Flugzeug abstürzte, in dem der Fußballkader und die Mehrzahl der Vereinsmitarbeiter saßen. Was passiert, wenn ein ganzes Team von heute auf morgen nicht mehr da ist? Dieser Film ist ein bemerkenswerter, bei dem man sich oft wundert.

Es war wie in einem perfekten Drehbuch, das nur handelsübliche Schlenker zulässt: Beinahe magisch bahnten sich die Fußballer von Chapecoense ihren Weg aus der Provinz an die Spitze. "Chape" ist ein Verein aus dem armen Süden Brasiliens, der sich von der Amateurliga nach oben kämpfte. Das Geheimnis ihres Erfolges kannten nur die Spieler selbst, die Öffentlichkeit sah das Ergebnis, nämlich den Aufstieg in die erste Liga. Tatsächlich schafften es die Männer 2016 ins Finale der Copa Sudamericana. Auf dem Weg zum Austragungsort in Kolumbien stürzte die Maschine ab. 19 Spieler und noch mehr Vereinsmitarbeiter sowie Journalisten starben.

Die Dokumentation beginnt mit einem Abriss über den Verein und seine Stadt Chapecó. Präzise und auf den Punkt ist man in 15 Minuten im Bilde und hat bereits die Absturzbilder gesehen. "Im Finale werden wir unser Leben geben und den Titel in unsere kleine Stadt holen", sagt einer der Spieler. Doch ihr Leben geben sie vorher. Nicht nur die Ehefrauen weinen, die ganze Stadt ist in Trauer, und das Stadion steht wie unter Wasser. Fast die gesamte Mannschaft wurde getötet. Was soll man da tun?

Sehr nah dran

So unmöglich wie diese Aufgabe scheint auch die der Regisseure. Und man stellt sich nicht nur einmal die Frage, wie es die Filmemacher geschafft haben, so dicht an den Menschen dran zu sein. So ein Wiederaufbau eines Kaders scheint ein Ding der Unmöglichkeit und ist doch nur eine der zahlreichen Folgeerscheinungen der Katastrophe. Tatsächlich erwartet man vielleicht ein "Jetzt erst recht", unentwegte Männer, die die Faust recken und Chapecoense zum Synonym für "Alles geht" machen. Aber es haben Mütter ihre Söhne verloren, kleine Kinder ihre Väter und Frauen ihre Ehemänner. Das alles in einer kleinen Provinz, wo jeder jeden kennt. Wie geht es für sie weiter und wie fühlen sie sich, wenn nur noch nach vorne geschaut wird?

Am beeindruckendsten ist es, die drei Überlebenden zu beobachten, die vielleicht am meisten darunter leiden, dass sie noch da sind. Man kann die Vorgehensweise der Regisseure, das Zusammenstellen der Archiv- und Privataufnahmen, nicht genug loben. Die Brüder Jeff und Michael Zimbalist leuchten überall hin und wollen nicht vom Phoenix aus der Asche berichten. Sie zeigen, wie kompliziert das Genesen ist und wie zwiespältig der Wiederaufstieg des Vereins. Wenn man Bilder abhängt, das Vergessen anordnet, wird dieser Film zur Blaupause für das Leben an sich.


Quelle: teleschau – der Mediendienst