Konstantin Wecker und Hannes Wader werden beide als Liedermacher alter Schule bezeichnet, doch ihre Lebenswege könnten unterschiedlicher kaum sein. Hannes Wader, 1942 in Bielefeld geboren, engagierte sich in der DKP, nennt sich selbst Eigenbrötler, lebt und liebt das Minimalistische. Ihm seien bereits die sechs Saiten seiner Gitarre zu viel, sagt er in einer Szene. Konstantin Wecker kam 1947 in München zur Welt, zeigte sich in seinem Leben offen für sinnliche Erfahrungen und leistete sich manche Entgleisung - Koks und Softporno-Drehs eingeschlossen. Der Bayer zelebriert seine ungebremste, wuchtige Lebensfreude bis heute auf der Bühne - das geht auch ohne Rauschgift. Im Film werden wichtige Stationen dieser so gegensätzlichen Biografien gegenübergestellt. Dazu gehören natürlich auch Waders Verhaftung wegen vermeintlicher Unterstützung der RAF im Jahr 1972 und Weckers Verhaftung wegen Drogenbesitzes und -konsums im Jahr 1995. Den aktuellen Rahmen des Dokumentarfilms bilden die Vorbereitungen zur gemeinsamen Tournee der beiden Künstler, die sich beide für eine humanere Gesellschaft einsetzen. "Unter unseren verschiedenen Mänteln wollen wir doch eigentlich das Gleiche", sagt Konstantin Wecker.

Der junge Münchner Regisseur Rudi Gaul machte schon bei seinem Debütfilm "Das Zimmer im Spiegel" gemeinsame Sache mit Konstantin Wecker. Der Liedermacher und gut beschäftigte Gelegenheitsschauspieler steuerte die Musik bei und übernahm eine Rolle. "Wader Wecker - Vater Land" ist Gauls zweite Regie-Arbeit. Hinter seinem Film steht eine simple Motivation: Er ist seit Langem ein Fan von beiden Barden. Die Masse an Erzählenswertem zu filtern und zu einem Gesamtbild zu formen, war sicher alles andere als einfach. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. In einem fein ausbalancierten Mix aus Archivaufnahmen, aus gesungenen und gesprochenen Weisheiten führt er zwei Biografien zu einem großen Finale zusammen: der gemeinsamen Tournee. Die Kameraführung ist so unaufdringlich, dass man spürt, wie unbeobachtet sich die Protagonisten zeitweise gefühlt haben mussten. Der Film erhielt den Publikumspreis auf dem Filmfest München 2011.

Foto: Zorro