Lange schon lebt der Sohn nicht mehr in seinem Heimatort in Ostdeutschland. Er hat die Siedlung am Rande einer mittelgroßen Stadt längst verlassen und ist in den Westen gegangen. Geblieben ist die Schwester, die eine Familie gegründet hat und dadurch nicht nur räumlich, sondern auch innerlich eine größere Nähe zu den Eltern pflegt. Die Eltern - die Mutter Hausfrau, der Vater Architekt - leben seit Jahrzehnten in dem vom Mann selbst entworfenen und gebauten Haus. Alles scheint gut, bis der Vater erste Verfallserscheinungen zeigt. Mit dem Laufen wird es immer schlimmer, und die zierliche, kleine Mutter schleppt den großen schweren Vater tagtäglich die Treppe rauf und die Treppe runter - ein Treppenfahrstuhl kommt für den Architekten in seinem eigenen Haus nicht in Frage. So nehmen die Dinge ihren Lauf, bis eines Tages völlig unerwartet das Herz der überforderten Mutter stillsteht. Und so treffen sich Bruder und Schwester im Haus des plötzlich alleinstehenden Vaters zur Beerdigung der Mutter wieder. Sprachlosigkeit, Verwirrung, Hilflosigkeit und völlige Überforderung machen sich hinter einer erst einmal aufrecht erhaltenen Fassade breit ...

Regisseur Tim Trageser, sonst eher auf Krimis ("Tatort - Höllenfahrt", "Tatort - Das zweite Gesicht") oder Komödien ("Ein verlockendes Angebot", "Harte Brötchen") abonniert, drehte nach seinem erschütternden Drama "Einer bleibt sitzen" erneut ein realistische wie hervorragend gespielte Gesellschaftsstudie, die die Probleme von Familienmitgliedern pflegebedürftiger Menschen und die Lücken unseres Gesundheitssystems thematisiert. Denn eine derartige Geschichte könnte jedem von uns passieren, allerdings wissen nur die wenigsten, richtig damit umzugehen. Drehbuchautorin Laila Stieler ("Die Friseuse", "Patchwork", "Willenbrock") verarbeitete hier das Sachbuch "ww.amazon.de/Wohin-mit-Vater-verzweifelt-Pflegesystem/dp/3596175305/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1268141296&sr=8-2 Wohin mit Vater? Ein Sohn verzweifelt am Pflegesystem" eines anonymen Journalisten, der die Nöte und Sorgen der Pflegesuchenden und die Probleme mit illegalen Hilfskräften beschreibt.

Foto: ZDF/Conny Klein