Mit viel Liebe kümmert sich Bruno (Vincent Cassel, rechts) um seinen Schützling Joseph (Benjamin Lesieur).
Die "Ziemlich beste Freunde"-Regisseure Éric Toledano und Olivier Nakache haben mit "Alles außer gewöhnlich" ein engagiertes Sozialdrama gedreht.

Alles außer gewöhnlich

KINOSTART: 05.12.2019 • Komödie • F (2019) • 115 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Hors Normes
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
F
Laufzeit
115 Minuten

Filmkritik

Ganz nah dran
Von Andreas Günther

Die Macher des französischen Komödien-Welthits "Ziemlich beste Freunde" schicken in ihrem neuen Film zwei Helfer zu besonders schweren Fällen von Autismus. Hinter dem saloppen Titel "Alles außer gewöhnlich" verbirgt sich ein Sozialdrama, das berührt.

Obwohl sie auch andere Erfolge gefeiert haben, sind die Regisseure Éric Toledano und Olivier Nakache doch vor allem mit "Ziemlich beste Freunde" bekannt geworden. Die Geschichte vom Großbürger, der nach einem Unfall vom Hals an gelähmt ist, aber durch einen unkonventionellen Pfleger wiederauflebt, hat 2011 weltweit begeistert. Fast 20 Millionen Franzosen und zehn Millionen Deutsche sahen die Komödie im Kino, global spielte sie mehr als 300 Millionen Euro ein. Trotz der ernsten Ausgangslage gab es viel zu lachen – dank der Clownerie von Omar Sy als Pfleger und der Kalauer des Drehbuchs.

Diese Komfortzone räumen Toledano und Nakache ihrem jüngsten Film "Alles außer gewöhnlich" kaum noch ein. Das Thema, die Betreuung von Autisten mit selbstzerstörerischen Zügen, entfalten sie mit großer Härte. Es ist weniger Humor, der dieses wunderbare Sozialdrama aufhellt, sondern vielmehr die besondere Warmherzigkeit, mit der die Betreuer Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reda Kateb) sich um ihre Schützlinge kümmern und die Filmemacher wiederum deren mühevolle Arbeit beschreiben. Angst vor großen Gefühlen kennen sie dabei nicht. Sie haben einfach den Mut, ganz nah dran zu sein.

Der Jude Bruno, der die Einrichtung "Stimme der Gerechten" gegründet hat, und der Muslim Malik , der sich nicht nur um Autisten kümmert, sondern auch um die Wiedereingliederung gestrauchelter Jugendlicher in seinem Viertel, sind ein Team. Die wenigste Zeit verbringen sie im Büro. "Alles außer gewöhnlich" beginnt fast wie ein Thriller, wenn Malik mit seinen Leuten mitten in Paris eine fortgelaufene Patientin einzufangen sucht und Bruno dem Sicherheitsdienst der Metro Joseph (Benjamin Lesieur) entreißen will, der einmal mehr gerade zwanghaft die Notbremse gezogen hat.

Joseph ist der erste Patient mit Autismus, mit dem Bruno in Berührung gekommen ist. Er versucht alles, um dem jungen Mann ein normales Leben zu ermöglichen. Lange sieht es so aus, als sei Joseph "ganz nah dran", es zu schaffen. Der junge Valentin (Marco Locatelli) hingegen, der immer einen Boxerhelm trägt, muss zunächst einmal davon ablassen, sich unausgesetzt selbst zu verletzen. Sein Betreuer Dylan (Bryan Mialoundama), wie viele andere bei Bruno und Malik aus dem Kreis gefährdeter Jugendlicher rekrutiert, ist mit ihm ziemlich überfordert. Derweil kämpft Bruno mit hohen Kosten und zwei Beamten einer Aufsichtsbehörde, die Diplome und Genehmigungen vermissen.

"Alles außer gewöhnlich" verläuft nicht geradlinig, sondern mäandert eher. Kleine Episoden und eindringliche Porträts der Patienten sind bestimmend, nicht die eine große Geschichte. Das mag daran liegen, dass sich die Regisseure Toledano und Nakache an einem Dokumentarfilm orientieren, den sie 2015 über eine real existierende Einrichtung für besonders schwere Fälle von Autismus gedreht haben. Einige Szenen daraus haben sie für "Alles außer gewöhnlich" von Schauspielern nachspielen lassen, so auch das Schicksal von Valentin.

Die Filmemacher suchen mit den Mitteln der Fiktion ein größeres Publikum für ein Anliegen zu sensibilisieren, das sie seit vielen Jahren bewegt: die aufreibende Arbeit und die immer wieder ungewisse Zukunft nichtstaatlicher Hilfseinrichtungen. Das Spielfilmformat macht sie indes nicht leichtsinnig. Bruno und Malik erscheinen als verzweifelte Alltagshelden ohne Überhöhung. Winzige Dosen Romantik sind Labsal. Ganz nah dran heißt dabei: nie zu nah. Taktvoll und angemessen lässt die Inszenierung den Patienten ihre eigenständige Persönlichkeit, ohne dass jedoch Glaube und Herz zu kurz kommen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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