Wen man Glück hat, begegnet man ihnen nur im Wirtschaftsteil der Zeitung: den miesen Chefs, die jeden ans Messer liefern würden, nur um selbst den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. In "Gringo", dem zweiten Langfilm des Australiers Nash Edgerton, haben aber nicht nur die Konzernleiter ordentlich Dreck am Stecken, sondern so ziemlich alle Charaktere, auf die man im Laufe der knapp zwei Stunden trifft. Gerade das macht diese Action-Komödie so interessant und lustig – auch wenn es an der ein oder anderen Stelle ein wenig an der Story hapert.

Harold Soyinka (David Oyelowo) ist mit sich und der Welt zufrieden. Er hat einen guten, soliden Job, führt eine harmonische Ehe, und auch sonst ist eigentlich alles in Ordnung. Eigentlich. Denn als er sich mit seinen beiden Vorgesetzten Richard (Joel Edgerton, der Bruder des Regisseurs) und Elaine (Charlize Theron) auf den Weg nach Mexiko macht, um einem Zulieferer ihrer Firma einen Besuch abzustatten, geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Harold merkt, dass seine Welt alles andere als heil ist. Seine Frau (Thandie Newton) betrügt ihn, und seine Chefs sind wohl die größten Fieslinge auf dem Planeten. Sie sind verstrickt in illegale Machenschaften. Schon bald stellt Harold nicht nur fest, dass ein Söldner und ein mexikanischer Drogenboss an seinen Fersen kleben, sondern auch, dass es gar nicht so einfach ist, seine eigene Entführung vorzutäuschen.

Überragende Charlize Theron

Wahnsinn und Humor sind die beiden Eigenschaften, die "Gringo" sehenswert machen. Wie es sich für einen ehemaligen Stuntman gehört, tritt Regisseur Nash Edgerton von Anfang an kräftig aufs Gaspedal. Dass man als Zuschauer schon nach wenigen Minuten zur geplagten Hauptfigur Harold hält, liegt vor allem an den beiden unglaublich miesen Personen, die ihn aus der Chefetage heraus quälen. Ein großartiger Joel Edgerton und eine absolut überragende Charlize Theron machen es dem Zuschauer unglaublich einfach, sie einfach nicht zu mögen. Vor allem Theron ist dermaßen fies und gleichzeitig so anziehend, dass man kaum weghören kann, wenn sie eine ihrer gepfefferten Hasstiraden ablässt.

Dagegen verblassen aber leider die zahlreichen anderen Charaktere, die "Gringo" am Wegesrand zu bieten hat. Die extrem hohe Zahl an unterschiedlichen Figuren und ihre Verwicklungen in die Geschichte führen nicht nur zu Verwirrung, sondern auch zu Überforderung. Der Zuschauer ist kaum imstande, auch nur einer der Randfiguren die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Zwar sind die Konstellationen im Einzelnen durchaus interessant, werden aber zu wenig beleuchtet, um im Gedächtnis zu bleiben.

Sicher ist nur, dass in diesem rabenschwarzen Durcheinander mit Ausnahme einer zuckersüßen Gitarrenverkäuferin (Amanda Seyfried) niemand frei von Schuld ist. Mit mannigfaltiger Schadenfreude darf man zusehen, wie alle, auch Harold, mit viel Überraschung und Witz zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn man in Sachen Handlungsführung immer mal ein Auge zudrückt, vergehen diese zwei Stunden Kino wie im Fluge.

Quelle: teleschau – der Mediendienst