Nina Kusturica, Studentin an der Wiener Filmakademie, fährt zusammen mit zwei Freunden mit dem Bus nach Sarajevo, um die Schauplätze ihrer Kindheit und Jugend in Bosnien wiederzusehen und um sich mit ihren Erinnerungen zu konfrontieren. Außerdem möchte sie Ljiljana, eine alte Jugendfreundin, ausfindig machen, von der sie seit ihrer Flucht nichts mehr gehört hat. An den Orten ihrer Kindheit spürt sie, dass sie dort längst nicht mehr heimisch ist; aber auch in Wien ist sie noch nicht integriert. Sie führt Gespräche mit ihren Freunden und anderen Menschen, die wegen des Krieges nach Wien geflüchtet sind. Am Ende findet sie Ljiljana nicht - und überhaupt bleibt es offen, ob diese Freundin überhaupt existiert, oder ob sie nur eine imaginäre Bezugsperson darstellt. "Liebe Ljiljana" ist ein sehr persönlicher Film von Nina Kusturica, die 1975 in Bosnien geboren wurde und seit 1992 in Wien lebt. In ihm wird auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie durch den Krieg nicht nur Freundschaften auseinander gerissen wurden, sondern wie die Menschen, die fliehen mussten, auch das Gefühl der Zugehörigkeit zu ihrer Heimat verloren haben. Dies gelingt der jungen Regisseurin nicht zuletzt dank ihrer überzeugenden Montage, die den Beobachtungen in Sarajevo immer wieder Gespräche mit bosnischen Flüchtlingen in Wien gegenüber stellt.