Die klimatische Wärme, mit der das fortschreitende 21. Jahrhundert über uns kommt, geht mit zunehmender inneren Erkaltung einher. Der Kölner Tatort, Ohnmacht, erzählt das anhand einer blutrünstigen Entgleisung in einer U-Bahn-Station, bei der ein Geiger zusammengeschlagen wird. Der Zuschauer taucht in eine Atmosphäre von Herzenskälte, in der jede polizeiliche Frage, jedes Bier am Feierabend, ja im Grunde jedes Wort unter Sanktionsverdacht steht.

Auf diese Weise wächst dem Staatsanwalt (der im November gestorbene Christian Tasche in seiner vorletzten Rolle) sowie der Haftrichterin (unterkühlt bis in den Scheitel: Anne Cathrin Buhtz) die Aufgabe zu, die Kräfte von Gut und Böse juristisch kalt auszutarieren. Das ist gewiss nichts fürs Volksempfinden und erst recht nichts für den Beamten Ballauf (Klaus J. Behrendt). Er ruft: "Das ist jetzt nicht wahr oder … ?" Recht und Gerechtigkeit sind zwei Paar Schuhe, und weil das so ist, kann es passieren, dass eine Tragödie, so wie hier, mit Gesetzes Hilfe in eine zweite mündet. Dieser Tatort ist ein Kriminalspiel mit hanebüchenen Logikbrüchen, das aber gleichwohl in seinen Bann zieht. dh

Foto: WDR/Martin Menke