Polizeiarbeit hat immer auch etwas mit dem Herunterreißen von Masken zu tun. Je besser die Aufklärung gelingt, desto mehr Zustände, die unter der Decke hätten bleiben sollen, werden offenkundig. Die Luzerner Fasnacht mit ihren unheimlichen alemannischen Masken bildet mehr als nur die Kulisse dieses spannenden und temporeich inszenierten Tatorts. Er spielt am Höhepunkt des närrischen Trubels, der in vielen Regionen auf den Schmotzigen Dunschtig fällt, der im Titel der Folge mit "Schmutziger Donnerstag" übersetzt wird. Ein Mörder geht um, sticht im Schutz wechselnder Verkleidungen, aber stets mit einem Messer ­mittelalter­licher Machart, Mitglieder einer altehrwürdigen Zunft nieder.

Kommissar Flückiger (Stefan Gubser), ohnehin kein Fasnachtsfan, gibt hier den hypersensiblen Al Pacino und würde am liebsten das ganze Volksfest stoppen. Assistentin Liz (Delia Mayer) hechelt dem Geschehen nach einer lesbischen Liebesnacht im Zustand völliger Übermüdung hinterher. Bisher fremdelten die Deutschen mit dem Schweizer Tatort. Das könnte sich ändern. Diese Folge (Regie: Dani Levy) ist ein Thriller, dem man nur ein Manko ankreiden kann: Der Mörder, obwohl schwer emotionalisiert, bleibt zu cool, um wahr zu sein. Detlef Hartlap

Foto: SWR/SRF/Nikkol Rot