Paolo (Stefano Accorsi, links) und Carlo (Pierfrancesco Favio) sind Teil der Feierlichkeiten von Alba und Pietro.
Die italienische Komödie "Zuhause ist es am schönsten" feiert die Großfamilie.

Zuhause ist es am schönsten

KINOSTART: 02.08.2018 • Komödie • I (2018) • 108 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
A casa tutti bene
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
I
Einspielergebnis
8.198.518 USD
Laufzeit
108 Minuten

Filmkritik

Lieber daheim bleiben
Von Sarah Schindler

Wer an Italien denkt, denkt an Dolce Vita. Doch dass es auch in einer wunderschönen Umgebung ziemlich krachen kann, beweist "Zuhause ist es am schönsten". Denn wo sich viele Familienmitglieder auf einem Fleck versammeln und miteinander auskommen müssen, kommt es oft zu Konflikten, denen man sonst aus dem Weg gehen könnte. Was zu einem interessanten Familiendrama mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus hätte werden können, verkommt hier zu langweilig erzählten Einzeldramen, die weder berühren noch wirklich nachvollziehbar sind.

Alba (Stefania Sandrelli) und Pietro (Ivano Marescotti) feiern ihre Goldene Hochzeit und haben aus diesem Anlass die komplette Familie nach Ischia eingeladen. Doch nicht nur auf der wunderschönen Urlaubsinsel zieht ein Sturm auf, auch innerhalb der Familie brodelt es heftig. Spannungen liegen in der Luft, und jeden Moment könnte sich das Familienidyll zu einem Wirbelsturm entwickeln.

Carlo (Pierfranceso Favino) muss sich mit den Eifersüchteleien seiner Frau Ginevra (Carolina Crescentini) herumschlagen. Sara (Sabrina Impacciatore) denkt, ihre Ehe sei intakt, ihr Mann Diego (Giampaolo Morelli) geht aber schon seit Längerem fremd. Riccardo (Gianmarco Tognazzi) geht allen mit seinen immer wiederkehrenden Geldsorgen auf den Keks. Und als ob das noch nicht genug Material für eine hausgemachte Familienkrise wäre, fängt Paolo (Stefano Accorsi) auch noch ein Techtelmechtel mit seiner Cousine Isabella (Elena Cucci) an.

Gabriele Muccino, seines Zeichens erfolgreicher Hollywood-Regisseur, kehrt mit "Zuhause ist es am schönsten" zurück zu seinen italienischen Wurzeln und versucht sich an einer Geschichte mit viel Zündstoff. Eigentlich mit einem Gespür für feine Emotionalität gesegnet, wie er es mit "Das Streben nach Glück" und "Sieben Leben" in der Vergangenheit bereits bewiesen hat, verrennt sich Muccino in einem Familiendrama, das so einfach wie langweilig daherkommt. Natürlich kennt jeder die üblichen familiären Streitthemen, und auch einzelne Eifersüchteleien sind nachvollziehbar, aber oft gibt es Momente, in denen die Reaktionen weder logisch noch verständlich sind.

Paradebeispiele völlig überzogenen Verhaltens

Das liegt zum einen an den Motiven, auf die nicht näher eingegangen wird und die dadurch nicht stimmig sind, sowie zum anderen an der Besetzung und deren Interpretationen. Zu keinem Zeitpunkt kommt es zu einer Identifikation mit dem gerade Leidtragenden. Zu niemandem – und dass, obwohl der Zuschauer regelrecht überrannt wird von der schieren Anzahl von Familienmitgliedern. Dabei ist auffällig, dass vor allem die weiblichen Figuren schlecht wegkommen und sich stetig in Klischees verrennen. Sie mimen Paradebeispiele völlig überzogenen Verhaltens.

Hinzu kommt die sehr krude Synchronisation, die bisweilen sogar ungewollt komisch wird. Sie scheitert vor allem an Redewendungen und driftet ab in "hippe" Sprechweisen, die schon seit den 90ern nicht mehr verwendet werden. Obendrein bleiben Fragen offen, die Beantwortung ist aber irgendwann nicht mehr wichtig, der ganze Film rutscht mehr und mehr in Langeweile, Bedeutungslosigkeit und Unglaubwürdigkeit ab. Zu keinem Moment packt "Zuhause ist es am schönsten" den Zuschauer – egal, ob beim gemeinschaftlichen Schmachten italienischer Lieder, Zankereien unter der Gürtellinie oder dem Spiel von liebestrunkenen Teenies und ihren erwachsenen Nachahmern.

Vielleicht ist das Familiendrama ertragbar, wenn man es sich in der Originalversion ansieht. Aber auch dann ist der Film nur äußerst eingeschränkt zu empfehlen, denn die Handlung, die Motive und die schauspielerische Leistung bleibt – egal, welche Sprache man hört.

Angesichts von "Zuhause ist es am schönsten" ist es kein Wunder, dass es italienische Filme, insbesondere Dramen, seit einigen Jahren schwer haben. Im Gegensatz zu Produktionen aus Frankreich, die auch hierzulande erfolgreich sind, werden ihre italienischen Pendants zwar in der Heimat gern gesehen, außerhalb Italiens locken sie aber nur wenige Zuschauer in die Kinos.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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