Nur vordergründig friedlich - Alltagsszene in Tschetschenien
Nur vordergründig friedlich - Alltagsszene in Tschetschenien

Coca - Die Taube aus Tschetschenien - Europa und sein verleugneter Krieg

KINOSTART: 24.11.2005 • Dokumentarfilm • Schweiz (2005)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
2005
Produktionsland
Schweiz
Kamera

Seit Mitte der Neunzigerjahre tobte in der autonomen russischen Republik Tschetschenien der Bürgerkrieg, noch heute ist der Staat ein Unruheherd erster Güte. Auch "Coca" - die Taube - ist Tschetschenin, wurde allerdings in der Verbannung in Kachastan geboren. Sie wurde schließlich Geschäftsfrau und zog vier Kinder groß. Seit 1994 dokumentiert sie, was in ihrer Heimat täglich geschieht: Verschleppung, Folter, Mord. Was Präsident Putin zur "antiterroristischen Aktion" erklärt, hat Züge eines Völkermordes angenommen. Bis zu dreißig Prozent der tschetschenischen Bevölkerung könnten getötet worden sein. Die Weltöffentlichkeit schweigt, sei es aus Unwissen, Hilflosigkeit oder Opportunismus. Zusammen mit anderen Frauen hat Sainap Gaschaiewa, Leiterin der Hilfsorganisation "Echo des Krieges", hunderte Video-Kassetten versteckt. Jetzt will sie diese nach Westeuropa schaffen. Sie hofft, dass es zu einem Tribunal kommt und die Schuldigen bestraft werden ­ auf welcher Seite sie auch stehen. Ein Kampf gegen Windmühlen?

Der in Frankreich geborene und in der Schweiz lebende Regisseur Eric Bergkraut zeigt in seinem Dokumentarfilm die Friedens-Aktivisten, die die Weltöffentlichkeit mit großem persönlichen Einsatz auf die Situation im heutigen Tschetschenien aufmerksam machen wollen. Dabei zeigt er allerdings nur am Anfang die erschütternden Bilder verletzter und zerfetzter Menschen, im weiteren Verlauf nähert er sich mit Hilfe seiner Protagonisten eher allgemeinen Fragen zum Thema Krieg und Frieden in dem gebeutelten Land. Sainap Gaschajewa - die Taube - erhielt im November 2005 für ihren mutigen und unermüdlichen Einsatz bei der Dokumentation von Zerstörung, Verschleppung, Folter und Mord den Lew-Kopelew-Preis 2005.

Foto: GMfilms

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