Ein Leben ohne Smartphone – für die meisten mittlerweile unvorstellbar. Rund um die Uhr wollen die Menschen vernetzt und erreichbar sein, sind so in ihre Displays vertieft, dass sie auf der Straße mit anderen Passanten zusammenstoßen. Telefonieren, facetimen und texten – egal, wie alt man ist. 87 Prozent der Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren besitzen ein eigenes Smartphone. Eine Realität, die "Emoji – Der Film" gewissermaßen abbildet. Waren es einst Spielzeuge ("Toy Story"), Legofiguren ("The Lego Movie") und Lebensmittel ("Sausage Party"), die lebendig wurden, sind es nun Emojis: Regisseur Tony Leondis, der gemeinsam mit Mike White ("School Of Rock", "The Good Girl") und Eric Siegel auch das Drehbuch verantwortete, entführt mit "Emoji – Der Film" in die geheimnisvolle Welt der Handys.

Versteckt in der Nachrichten-App liegt Textopolis, die Heimat der Emojis. Ausdauernd und brav gehen die kleinen Gefühls-Symbole jeden Morgen zur Arbeit und hoffen darauf, von ihrem Handy-Besitzer Alex ausgewählt zu werden. Dabei hat jedes Emoji lediglich einen Gesichtsausdruck. Nur Gene (in der deutschen Version gesprochen von Tim Oliver Schultz) fällt aus der Reihe. Eigentlich ist er ein "Meh", ein "ist mir egal"-Symbol, doch weil er seine Mimik und Gefühlsregungen nicht unter Kontrolle hat, fliegt er an seinem ersten Arbeitstag als "Fehlfunktion" auf und soll gelöscht werden.

Genes einziger Ausweg, um so normal wie alle anderen zu werden: Er muss sich umprogrammieren lassen. Gemeinsam mit dem Emoji Hi-5 (Christoph Maria Herbst), der schon wochenlang nicht mehr benutzt wurde, macht er sich dafür auf die Suche nach der berühmten Hackerin Jailbreak (Joyce Ilg). Um an den Ort der Rettung, die Cloud zu gelangen, begeben die drei sich auf eine abenteuerliche Reise durch sämtliche Apps. Sie stolpern durch die zuckersüße Welt von Candy Crush, müssen sich in der Tanz-App "Just Dance" beweisen, surfen auf Spotify-Song-Streams, reiten auf dem Twitter-Vogel und stehen am Ende vor einem viel größeren Problem: Weil Teenager Alex das Vertrauen in sein Smartphone verloren hat, hat er einen Termin im Handy-Laden gemacht und will es auf Werkseinstellungen zurücksetzen lassen.

Um gleich Entwarnung zu geben: Ganz so schlecht wie die ersten US-Kritiken ist der Film nicht. Zum einen sehen die Emojis mit ihren großen Kulleraugen wirklich niedlich aus. Darüber hinaus sind einzelne Ideen durchaus charmant umgesetzt.

Zum Beispiel die Internettrolle, die sich im Piracy-Bereich tummeln. Oder die Loser-Lounge für ausgediente Emojis. Und trotzdem kommt "Emoji – Der Film" über ein "Meh" am Ende nicht hinaus. Die Gags und Dialoge sind über weite Strecken einfach zu vorhersehbar, die emotionalen Momente oft nah am Kitsch. Und die Geschichte, dass man mit Individualität punkten kann, wurde auch schon einfallsreicher und besser erzählt.

Der größte Kritikpunkt ist allerdings dieser: Gleich in der ersten Szene des Films sind Alex und seine Freunde total auf ihre Smartphones fixiert – doch statt sich damit kritisch auseinanderzusetzen, vermittelt der Film die Botschaft: Handys sind toll, und auf gar keinen Fall sollte man irgendetwas löschen! Dass Regisseur Leondis die Smartphone-Kultur so gar nicht infrage stellt, ist wirklich schade.

Quelle: teleschau – der Mediendienst