Was haben sie sich nur eingebrockt: Karin (Maren Kroymann, links), Gerhard (Heiner Lauterbach) und Philippa (Barbara Sukowa) stoßen mit ihren Patenenkeln an persönliche Grenzen.
Drei Senioren verdingen sich als Teilzeit-Großeltern: Gegensätze ziehen sich in "Enkel für Anfänger" ziemlich an.

Enkel für Anfänger

KINOSTART: 06.02.2020 • Komödie • D (2019) • 104 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
D
Laufzeit
104 Minuten

Filmkritik

Raus aus der beigen Hölle
Von Andreas Fischer

Drei Rentner verdingen sich in "Enkel für Anfänger" als Aushilfs-Großeltern. Dabei arbeiten sie sich mit der Humorkeule an den Tücken des Alters, hyperaktiven Kindern und komischen Eltern ab.

Goldene Zeiten? Die sind vorbei, egal, was die Werbung mit all den hyperaktiven Greisen in engen Jeans und auf schnellen Motorrädern verspricht. Die Wirklichkeit für deutsche Durchschnittsrentner ist beige. Beige wie in langweilig. Dass sich immer noch rüstige Rentner in "Enkel für Anfänger" als Leih-Omas und Leih-Opas ein bisschen Abwechslung ins Haus holen wollen, ist durchaus nachvollziehbar. Nur: Eine Horde wilder Patenenkel sind eine heftige Nummer, wenn man entweder keine Kinder hat, keine Kinder mag oder mit den eigenen Kindern seit Jahren nicht mehr spricht.

Wenn Generationen aufeinandertreffen, die aus verschiedenen Welten zu stammen scheinen, wenn sich extrem gegensätzliche Charaktere aneinander abarbeiten, dass die (Wort-)Fetzen nur so fliegen, dann kann das ziemlich heiter werden. Und ja, beim Humor hat Drehbuchautor Robert Löhr nicht gespart. Zumindest in der ersten Hälfte des Films, in der alte und junge Menschen aufeinander losgelassen werden, die so gar nicht zueinander passen: ein hyperaktiver Junge auf eine besonnene Hausfrau, ein russischstämmiges Mobbingopfer auf einen Misanthropen, ein überbraves Öko-Elternkind auf eine Hippie-Anarchistin. Die Reibung, die dabei entsteht, bedient zwar jede Menge Stereotypen, gebiert aber euch einige köstliche Hinterfotzigkeiten.

Vor allem Heiner Lauterbach darf als schwuler Arzt dem Leben an sich und der Jugend im Besonderen herrlich feindselig gegenüberstehen, darf schimpfen, pöbeln prügeln und Vorurteile bedienen. Die großartige Barbara Sukowa hat nach all den starken, sehr ernsthaften Frauen aus Fassbinder- und von-Trotta-Filmen so richtig Lust, als Komödiantin die Sau rauszulassen.

Mit welcher Leichtigkeit sie den Regeln des Lebens die wilden Locken entgegenschleudert, ist umwerfend witzig, aber auch nie übertrieben. Allein wie sie ihre Vaginalkugeln (die Dinger sehen aus wie Raffaellos, flutschen aber besser) im Kühlschrank anpreist, ist einfach köstlich. Auch Maren Kroymann als vom Beige des Alters gelangweilte Rentnerin und Günther-Maria Halmer als ihr unsterblich in dieselbe Farbe verliebter Gatte geben ihre Figuren bei allem Witz nie der Lächerlichkeit preis.

Schade nur, dass die Inszenierung von Regisseur Wolfgang Groos schnell zerfasert und sich Konflikte allzu bereitwillig in Selbstgefallen auflösen, inklusive einer gefährlichen Liebschaft zwischen einer Paten-Oma und einem Kindsvater. Ganz davon abgesehen, dass Groos davon ausgeht, dass sich Kinder und ihre Paten-Großeltern, also wildfremde Menschen, auf Anhieb in unerschütterlicher Zuneigung ergeben sind, arbeitet er viel mit der frontalpädagogischen Humorkeule. Die war freilich noch nie unterhaltsam, geschweige denn lustig.

Seine starken Momente hat der Film immer dann, wenn er leise wird und nicht mehr um seine Klischees kreist, sondern genau beobachtet, wie das denn wirklich so ist mit dem Älterwerden. Dann zeigen Wolfgang Groos und Robert Löhr eine Gesellschaft, die Ruhe gebrauchen könnte und das auch weiß, aber die niemandem Ruhe gönnt. Auch nicht den Großeltern, die den Kindern das geben, was sie von ihren Eltern nicht bekommen: Gelassenheit und ein offenes Ohr.

 

Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Darsteller
Barbara Sukowa
Lesermeinung
Weitere Darsteller
News zu

Neu im kino

Firestarter
Fantasythriller • 2022
prisma-Redaktion
Blutsauger
Historie • 2022
prisma-Redaktion
Meine schrecklich verwöhnte Familie
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
Die Biene Maja – Das geheime Königreich
Animationsfilm • 2021
prisma-Redaktion
Liftoff – Mit Dir zum Mars
Liebeskomödie • 2022
prisma-Redaktion
Doctor Strange in the Multiverse of Madness
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Everything Everywhere All at Once
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
Paul (Frederick Lau) muss sich nach Julias Tod alleine um die gemeinsame Tochter (Romy Shroeder) kümmern, während die immer weiter in eine Fantasiewelt abdriftet.
Wolke unterm Dach
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Downton Abbey II: Eine neue Ära
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Die wundersame Welt des Louis Wain
Drama • 2021
prisma-Redaktion
The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt
Abenteuerfilm • 2022
prisma-Redaktion
The Northman
Actionfilm • 2022
prisma-Redaktion
Alles ist gutgegangen
Tragikomödie • 2021
prisma-Redaktion
The Contractor
Action • 2022
prisma-Redaktion
Eingeschlossene Gesellschaft
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Wo in Paris die Sonne aufgeht
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Death of a Ladies' Man
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Phantastische Tierwesen 3: Dumbledores Geheimnisse
Fantasyabenteuer • 2022
prisma-Redaktion
Sonic the Hedgehog 2
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Morbius
Actionfilm • 2022
prisma-Redaktion
JGA: Jasmin. Gina. Anna
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Ambulance
Actionfilm • 2022
prisma-Redaktion
Die Gangster Gang
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Der Wolf und der Löwe
Familienfilm • 2021
prisma-Redaktion
Operation Fortune
Actionkomödie
prisma-Redaktion
Vatersland
Drama • 2020
prisma-Redaktion
Parallele Mütter
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Jackass Forever
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
The Card Counter
Thriller • 2021
prisma-Redaktion
Cyrano
Drama • 2022
prisma-Redaktion