Zwei Freundinnen gründen eine Kosmetikfirma und stürzen sich ein einen erbarmungslosen Kampf der Geschäftsfrauen: "Lady Business" ist leider ein ziemlich ärgerlicher Film voller Klischees. Warum nur hat sich die tolle Salma Hayek darauf eingelassen?

Robert De Niro hat es getan, Jennifer Lopez auch, und nun Salma Hayek: Sie haben in einem Film mitgespielt, der unter ihrem Niveau ist. De Niro war 73 Jahre alt, als er in "Dirty Grandpa" den testosterongeschleuderten Senilen gab. Lopez ließ sich in "Hustlers" auf ihr Äußeres reduzieren, sie war 50 Jahre alt. Und nun hat sich Hayek, 53, in "Lady Business" verheizen lassen. Was waren das für Zeiten, als sie in "Desperado" (1995) mit wehender Mähne und Antonia Banderas an der Hand in eine neue Zukunft schritt. Hinter ihnen brannte in lodernden Flammen die örtliche Buchhandlung nieder. Atemberaubend ihr Auftritt als Vampir-Lady in "From Dusk Till Dawn" (1996). Ihr Schlangentanz brachte den vor ihr knienden Quentin Tarantino um Verstand und Besinnung. Und sie spielte die mexikanische Malerin Frida Kahlo im Film "Frida" (2002), für den sie auch die Koproduzentin war.

Im neuen Film "Lady Business" von Miguel Arteta gibt sich Salma Hayek für die Karikatur einer Geschäftsfrau her. Die Geschichte ist schnell erzählt: Frauen interessieren sich vor allem für eins, für ihr Aussehen, so die Grundbotschaft. Dafür brauchen sie Kosmetik in allen Farben, Größen und Formen.

Mia (Tiffany Haddish) und Mel (Rose Byrne) haben eine Kosmetikfirma gegründet. Zusammen mit einer älteren Dame mit aufgespritzten Lippen und einem schwulen schwarzen Mann arbeiten sie im Shop des kleinen Unternehmens. Durch deren Tür kommt eines Tages Claire Luna (Salma Hayek) hereingerauscht. Die berüchtigte Kosmetikmagnatin will Mia und Mel ein lukratives Übernahmeangebot machen. Sie ist auf das von den beiden kreierte Kosmetik-Survival-Kit für den One-Night-Stand aufmerksam geworden und will die Marke kaufen. Mia und Mel haben hohe Schulden, also lassen sie sich von der busy Lady Luna einsacken. Erstmal.

Was folgt, sind sehr unschöne Ereignisse. Alle beteiligten Damen fallen übereinander her. Misstrauen, Stutenbissigkeit, Neid, Verrat, Angst, Aggressivität und Brutalität begleiten die Ladys auf ihrem Weg durch die harte Geschäftswelt. Dabei sind sie immer perfekt geschminkt.

Die Schauspielerinnen Tiffany Haddish, Salma Hayek und Rose Byrne treten in der Farbkombination Schwarz-Rot-Blond auf. Es wimmelt von rassistischen Klischees. Die schwarze Frau mit den schwarzen Haaren ist die kreative, sinnliche, promiskuitive. Die Rothaarige ist die mexikanische Bitch, die den US-amerikanischen Markt angreifen und übernehmen will. Einen Mann erträgt sie auf Augenhöhe nicht. Die blonde Frau im Farbkreis ist die kühle, weiße Einheimische, die für den betriebswirtschaftlichen Bereich zuständig ist. Ihr BMI-Wert ist zu niedrig. Im Umgang mit Männern ist sie etwas spröde, aber durchaus interessiert.

Die Stimmen in der Originalfassung mit dem Titel "Like a boss" waren sicher authentischer in ihrer Diversität. Doch hat die deutsche Synchronisation das alles plattgemacht. Salma Hayek hat eine peinliche Aussprache mit mexikanischem Akzent und unerträglichem Wortschatz übergestülpt bekommen. Gut ist, dass der Film zeigt, wie Frauen ihre eigenen Geschäftsideen in die Tat umsetzen. Gut ist auch, dass Frauen dabei scheitern dürfen, ohne dass ihre Welt deswegen zusammenbricht. Nicht so gut ist, wenn sie dabei over the top geschminkt sind und auf very high heels durch die Geschäftswelt stürmen müssen. Noch besser wäre es, wenn Frauen endlich nicht mehr in jeder weiteren Frau eine Konkurrentin sehen würden.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH