Alle Zeit der Welt sind für Elena (Julia Zange) und Robert (Josef Mattes) 48 Stunden auf einer Wiese.
Wenn man zu viel Zeit damit verbringt, über die Zeit nachzudenken, ist die Zeit plötzlich alle: Aber in der kunstvollen Sommerfrische "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" gehen die Uhren sowie anders.

Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

KINOSTART: 22.11.2018 • Drama • D / F (2017) • 172 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D / F
Laufzeit
172 Minuten

Filmkritik

Alle Zeit der Welt
von Andreas Fischer

Ein Geschwisterpärchen zwischen Abiturprüfung, inzestuösem Verlangen und philosophischer Irrlichterei: "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" ist ein kunstvoll bebildertes Drei-Stunden-Rätsel mit blutigem Ende.

Zwei Geschwister philosophieren zwei Tage lang auf einer Sommerwiese über das Wesen der Zeit, küssen und schlagen sich, lernen fürs Abitur, trinken viel Bier und verabschieden sich mit einem Knalleffekt von der Kindheit: "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" ist ein bemerkenswerter Film, der völlig aus der Zeit fällt. Was vor allem daran liegt, dass sich Regisseur Philip Gröning ("Die Frau des Polizisten", "Die große Stille") unendlich viel Zeit nimmt, damit seine Protagonisten dieselbe anhalten können. Auf narrative Strukturen verzichtet die dreistündige Kino-Unergründlichkeit, lässt aber viel Raum für Beobachtungen.

"Wie kann etwas vergehen, wenn es doch das Recht hat, zu existieren?", fragt Robert (Josef Mattes) gedankenschwer? Eigentlich haben er und seine Schwester Elena (Julia Zange) das ganze Leben noch vor sich. Für die Zwillinge ist es aber gefühlt schon zu Ende. Am Montag legt Elena ihre Abiturprüfung in Philosophie ab, Robert gibt ihr Nachhilfe. Das Thema: die Zeit. Und davon gibt ihnen Philip Gröning, der auch das Drehbuch schrieb, reichlich.

Ein letztes gemeinsames Wochenende bleibt ihnen noch, dann will Elena studieren und Robert, der Schulverweigerer, irgendwo hin. Die beiden Tage verbringen sie auf einer Sommerwiese, die Hitze flirrt, die Grillen zirpen, am Horizont sind die Alpen zu erkennen. Bis auf eine Tankstelle ist rundherum nichts. Was macht man mit dem Nichts? Man füllt es mit philosophischen Fragen, dafür sind die beiden schließlich gekommen.

"Der Grund der Zeit ist die Hoffnung", erklärt Robert und dann geht es schnell um Erkenntnis, Bewusstsein, das Wesen des Menschen. Was zählt, ist die Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft kommen in dem Film nicht vor. Die Geschwister leben im Moment. Sie wirken darin verloren.

Es wirkt ein wenig prätentiös, wenn Heidegger und Novalis zu unsichtbaren Protagonisten werden und sich Robert und Elena gar nicht mehr einkriegen vor lauter Zeitlosigkeit, in die sie geflüchtet sind. Viel spannender als die bedeutungsschwangeren Dialoge anzuhören, ist es, die Kids dabei zu beobachten, wie sie sich aneinander reiben, um voneinander loszukommen – was sie eigentlich gar nicht wollen.

Gröning fasst das in enigmatische Bilder: Sommerwiese, Sonne, bleiche Körper, Ameisen, Heuschrecken, Schweiß, verschlungene Körper. Er komponiert seine Tour de Force im hohen Gras aus Schleifen und Ellipsen, Wiederholungen und Vergrößerungen, Abstraktionen und Dissonanzen – formal ist das durchaus spannend und schön anzusehen sowieso.

Die Langeweile, die sich ausbreitet, ist eine der guten Art, eine, die Platz lässt, für Beobachtungen und Gedanken, die abschweifen dürfen. Sowohl auf als auch vor der Leinwand. Doch irgendwann haben Elena und Robert genug: Sie wollen noch etwas unternehmen, aus ihrer Traumwelt in die echte übertreten. Koste es, was es wolle. Die Tankstelle wird ihr Tor zu einer Welt, der sie abhandengekommen sind: Hier eskaliert ihr Abnabelungsprozess in einer Orgie aus Sex und Blut.

Das ist schwer auszuhalten, und Gröning kümmert sich auch nicht um irgendwelche Antworten auf all die Fragen, die er vorher hat stellen lassen. Man ist wie Robert und Elena verloren. In der Zeit, im Erkenntnisloch, im Abschied.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Stefan Konarske mit Anzug und Fliege auf dem roten Teppich. Lacht in die Kamera.
Stefan Konarske

News zu

Neu im kino

You, Me & Italy (2026)
You, Me & Italy
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Paw Patrol: Der Dino Film (2026)
Paw Patrol: Der Dino Film
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Nightborn (2026)
Nightborn
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Spider-Man: Brand New Day (2026)
Spider-Man: Brand New Day
Science Fiction • 2026
Die Odyssee (2026)
Die Odyssee
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
So klingt das Leben (2025)
So klingt das Leben
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Was haben wir gelacht (2026)
Was haben wir gelacht
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaiana (2026)
Vaiana
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Virginia Woolf's Night & Day (2026)
Virginia Woolf's Night & Day
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Etwas ganz Besonderes (2026)
Etwas ganz Besonderes
Drama • 2026
prisma-Redaktion
The Piano Tuner (2026)
The Piano Tuner
Krimi • 2026
prisma-Redaktion
Vom Traum, unsinkbar zu sein (2026)
Vom Traum, unsinkbar zu sein
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Minions & Monster (2026)
Minions & Monster
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Supergirl (2026)
Supergirl
Action • 2026
prisma-Redaktion
Jackass: Einer geht noch (2026)
Jackass: Einer geht noch
Action • 2026
prisma-Redaktion
Power Ballad – Der Song meines Lebens (2026)
Power Ballad – Der Song meines Lebens
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
The Invite (2026)
The Invite
Drama • 2026
The Death of Robin Hood (2026)
The Death of Robin Hood
Drama • 2026
LOL 2.0 (2026)
LOL 2.0: Anne’s Golden Hour
Komödie • 2026
Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens (2025)
Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens
Animation • 2025
prisma-Redaktion
Dolly (2026)
Dolly
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit (2026)
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit
Mystery • 2026
prisma-Redaktion
Masters of the Universe (2026)
Masters of the Universe
Action • 2026
prisma-Redaktion
Sommer auf Asphalt (2026)
Sommer auf Asphalt
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Scary Movie (2026)
Scary Movie
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Solo Mio (2026)
Solo Mio
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Passenger (2026)
Passenger
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Verflucht normal (2025)
Verflucht normal
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Backrooms (2026)
Backrooms
Horror • 2026
Vivaldi und ich (2025)
Vivaldi und ich
Musik • 2025
prisma-Redaktion