Kate (Kristin Scott Thomas) muss ihren Mann (Greg Wise) einmal mehr in den Krieg ziehen lassen.
In "Mrs. Taylor's Singing Club" suchen einsame Soldatenbräute nach dem Sinn ihrer Existenz und finden dabei zahlreiche Dissonanzen.

Mrs. Taylor's Singing Club

KINOSTART: 15.10.2020 • Komödie • GB (2019) • 112 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Military Wives
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
GB
Laufzeit
112 Minuten

Filmkritik

Schiefe Töne in der Kaserne
Von Andreas Fischer

Weil ihre Männer ins Kriegsgebiet abkommandiert wurden, sind britische Soldatenbräute zum Nichtstun verdammt. Im Kampf gegen die Langeweile in der Kaserne soll "Mrs. Taylor's Singing Club" helfen.

Die Musik kann alles heilen, sogar die Wunden des Krieges. Das zumindest glauben die Ehefrauen britischer Soldaten in Peter Cattaneos ärgerlich harmloser Brit-Com "Mrs. Taylor's Singing Club". Während die Männer im Einsatz in Afghanistan sind, haben die Frauen in der Kaserne daheim in England nicht viel zu tun. Doch es wäre ja gelacht, wenn sie die Langeweile nicht besiegen. Also gründen sie einen Laienchor, oder besser: sie raufen sich zusammen.

Bei der Balgerei nach Noten ganz vorne dabei ist Kristin Scott Thomas: Sie spielt die stocksteife Offiziersgattin Kate. Ernsthaft und pflichtbewusst, will sie sinnstiftend in das Leben ihrer Leidensgenossinnen eingreifen. Sie sollen in der langen Zeit der Einsamkeit nicht auf dumme Gedanken kommen. Das Kind ist freilich längst in den Brunnen gefallen: Die Frauen trinken, fluchen und hängen einfach nur ab – wenn sie sich nicht als alleinerziehende Mütter um den Nachwuchs kümmern. Vor allem mit Lisa (Sharon Horgan), Frau eines Unteroffiziers, gerät Kate des Öfteren aneinander.

Das Einzige, worauf sich die Streithennen einigen können, ist die Musik. Stricken kommt als Freizeitbeschäftigung nicht infrage. Die Sache mit dem Singen schon eher, auch wenn Kate seriöse Musik bevorzugt und Lisa eher auf ultraseichte Popsongs steht. Der Militärführung ist das egal: Die alten Herren freuen sich, dass die Damen zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, als dass sie Scherereien machen könnten. Dabei liegt vieles im Argen, vor allem fehlt das Verständnis für die Leiden und wahren Bedürfnisse der Frauen, deren Männer in den Krieg geschickt werden.

Im Original heißt der Film schlicht "Military Wives". Das sagt schon alles: Es ist ziemlich ärgerlich, wie sich die Frauen in ihre Rolle fügen und als Anhängsel genügen. Was stört, wird einfach weggelächelt. Als Belohnung gibt's eine Einladung in die Royal Albert Hall.

Regisseur Cattaneo hat seinen größten Kinoerfolg einst mit "Ganz oder gar nicht" gefeiert, jener schrulligen Komödie über eine Handvoll Arbeitsloser, die sich gemeinsam einer waghalsigen Idee verschreiben und sich als dilettantische Stripper gegen alles Ungemach neues Selbstwertgefühl organisieren. Sein Erfolgsrezept – "Ganz oder gar nicht" war für vier Oscars nominiert – hat er für den Gesangsverein der Soldatenbräute nicht geändert: Auch sie sind eine Gemeinschaft von Alleingelassenen, die in widrigen Umständen um Anerkennung kämpfen. Nur leider mit schiefen Tönen.

Streit, Rückschläge, die Bewältigung von Traumata und eine Moorwanderung, die ungeahnte Talente zeitigt: Richtig zusammenpassen wollen Tempo, Tonlage und Thema jedenfalls nicht. Einerseits sollen kauzige Frauentypen dem Film zur Heiterkeit gereichen, andererseits schwebt über allen die Ungewissheit über das Schicksal ihrer Männer. Ein Konflikt, den Catteneo, wie alle anderen auch, in erwartbar unerwarteter Harmonie auflöst.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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