Vor acht Jahren erschien in den USA der Science-Fiction-Roman "Ready Player One" von Ernest Cline, eine von einem Nerd geschriebene Geschichte über Nerds für Nerds. Zugleich schuf Cline als Kind der 80er damit aber auch eine Hommage an das Jahrzehnt seiner Jugend. Eine Verfilmung des Bestsellers war eigentlich nur noch Formsache, las sich der Sci-Fi-Roman von dem 45-Jährigen sowieso fast wie ein Drehbuch. Dass für die Adaption nun kein Geringerer als Steven Spielberg gewonnen werden konnte – ein Mann, der die 80er durch Filme wie "E.T." und "Indiana Jones" entscheidend bereicherte –, gleicht einem Geniestreich. Nicht nur, weil Ernest Cline offensichtlich riesiger Fan des 71-Jährigen ist, wie jeder, der das Buch gelesen hat, unschwer erkennen konnte. Spielberg schafft es, sich von dem Roman zu distanzieren und das zu tun, was er kann wie kein anderer: gute Unterhaltung für die Massen zu schaffen. Im besten Sinne!

Wir schreiben das Jahr 2045: Die Erde ist am Ende. Der Klimawandel, Energiekrisen und die Überbevölkerung machen den Menschen das Leben schwer. Auch für Wade Watts (solide: Tye Sheridan) aus Columbus, Ohio, ist das Dasein in der realen Welt schwer zu ertragen. Der Waise lebt bei seiner Tante in den sogenannten Stacks. Das sind Slums, in denen Wohnwagen nicht mehr nur nebeneinander stehen, sondern auf wackeligen Gestellen wild übereinander gestapelt werden, um Platz zu sparen. Kein Wunder, dass Wade sich wie viele andere mithilfe einer VR-Brille lieber in die OASIS flüchtet, ein virtuelles Universum, in dem man sein kann, wer man will. Als Parzival, angelehnt an den Ritter der Tafelrunde, erlebt Wade in der OASIS die tollsten Abenteuer.

Doch als der Gründer der virtuellen Welt, James Halliday (Mark Rylance), stirbt und ein kryptisches Testament hinterlässt, ändert sich alles. Halliday hat in seiner Schöpfung ein Easter Egg versteckt. Wer dieses findet, erbt sein gigantisches Vermögen und erhält die totale Kontrolle über die OASIS. Um den "Schatz" in die Hände zu bekommen, benötigt es drei Schlüssel. Millionen von Menschen suchen jahrelang nach ihnen – ohne Erfolg. Eines Tages gelingt ausgerechnet Wade bei der Schlüsselsuche der Durchbruch. Der Junge hat allerdings nicht damit gerechnet, dass er damit in den Fokus des Großkonzerns IOI gerät. Dessen Chef Nolan Sorrento (lustig und böse zugleich: "Rogue One"-Schurke Ben Mendelsohn) ist ebenfalls hinter dem Easter Egg her. Die Schatzsuche wird für Wade zum Kampf auf Leben und Tod. Nur mithilfe einiger Mitspieler wie der mysteriösen Art3mis (Olivia Cooke) hat er eine Chance, das Ganze lebend zu überstehen.

Popkulturelle Anspielungen statt ultra-nerdiger Verweise

Kaum beginnt der Film, wird der Zuschauer schon wummernd mit Van Halens "Jump" beschallt. Auch wenn es in letzter Zeit ein bisschen viel mit den 80-ern und all der Nostalgie-Unterhaltung wurde – Spielberg schafft es, das Ganze charmant in den Film einzubauen. Zudem ist der Regisseur nicht allzu streng, und so dürfen unter anderem auch der T-Rex aus "Jurassic Park" (1993) durch die Straßen fegen und die Bee Gees mit "Stayin Alive" (1977) die OASIS beschallen. Fans des Buches dürften sich trotzdem bald wundern, da unter anderem der Weg zum ersten Schlüssel im Film gänzlich verändert wurde. Doch das ist gut so.

Ein paar ultra-nerdige Verweise – Parzival zockt sich im Buch unter anderem durch das Arcade Game "Joust" – wurden im Film durch einfacher verständliche popkulturelle Anspielungen ersetzt. Das macht "Ready Player One" für die Massen zugänglich. Ein bisschen gelitten hat lediglich der gesellschaftskritische Ansatz der Vorlage. Statt Tiefgang gibt es einiges mehr an Action. Die Schnitzeljagd nach dem Easter Egg ist dafür spannend und die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt absolut gelungen. Untermalt von Blondie, George Michael und a-ha schuf Steven Spielberg eine liebevolle und absolut bildgewaltige Hommage an das Nerdtum. Popcornkino vom Feinsten eben. Good game, well played.

Quelle: teleschau – der Mediendienst